Nach einem Start mit neuen Höchstkursen am deutschen Aktienmarkt folgte eine Phase der allgemeinen Unsicherheit, hervorgerufen durch die Dollar-Kursentwicklung. Einerseits wird der „teure“ Dollar begrüßt, weil er die Chancen für den Export deutscher Erzeugnisse begünstigt und weil durch ihn angeblich Ausländer angelockt werden, preiswerte deutsche Aktien zu erwerben, andererseits wächst aber die Furcht vor weiteren Zinssteigerungen. In Börsenkreisen wird zunehmend die Ansicht vertreten, daß der Bundesbank nichts anderes übrigbleiben wird, als zur Stützung der Mark die Leitzinsen (Diskont und Lombard) heraufzusetzen, auch wenn dies konjunkturell unerwünscht ist.

Die Angst vor steigenden Zinsen hat sich am Rentenmarkt schon in fallenden Notierungen und in steigenden Renditen niedergeschlagen. Jene, die für die ersten Monate einen Kapitalmarktzins von unter acht Prozent vorausgesagt haben, sind sehr still geworden-

Obwohl sich im vergangenen Jahr gezeigt hat, daß steigende Zinsen nicht unbedingt das Ende der Aktien-Hausse bedeuten müssen, wächst die Neigung, Kursgewinne zu realisieren, Wenn dabei bisher größere Kurseinbrüche ausgeblieben sind, deutet dies auf einen fortbestehenden Optimismus bin, Dieser wiederum gründet sich auf den sich Überall abzeichnenden wirtschaftlichen Aufschwung,

Diese Aussichten kommen offenbar auch der Plazierung der aus Bundesbesitz stammenden Veba-Aktien zugute, die runde 800 Millionen Mark in die Kasse des Bundesfinanzministers bringen sollen. Außerbörslich sind in dieser Woche Großanleger bedient worden, denen ein Abschlag auf den Kurs von l 3/8 Prozent (oder etwa drei Mark) eingeräumt worden ist. Das Bankenkonsortium hat Sorge getragen, daß jene Interessenten, die Veba-Aktien im Wege des 936-Mark-Gesetzes erwerben wollen, befriedigt werden können.

Mit einer stürmischen Nachfrage aus dem Kreis der „Begünstigten“ wird indessen nicht gerechnet. Da der Erwerb ausserhalb der Veba-Belegschaft zum Börsenkurs erfolgt und in der Regel voll aus den Einkünften der Arbeitnehmer erfolgen muß, fehlt der besondere Anreiz, gerade jetzt Veba-Aktien zu kaufen und diese auch noch für sechs Jahre festlegen zu müssen. Bei den Banken herrscht eine gewisse Genugtuung über die Zurückhaltung, auch wenn diese öffentlich nicht geäußert wird.

„Wir haben in den letzten Jahren unsere Kundendepots durchrationalisiert und kleineren Aktiensparern den Erwerb von Investment-Zertifikaten nahegelegt, Wenn wir nun über die Veba-Privatisierung wieder Tausende von Depots bekommen, in denen nur zwei oder drei Veba-Aktien enthalten sind, geht nach sechs Jahren die Bereinigung von neuem los.“ So oder ähnlich lautet das Urteil in den unteren Banketagen. K. W.