Jubel bei der Welt: Auf einer offiziellen Deutschlandkarte des Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen solle mit der "unsicheren und opportunistischen Darstellung Deutschlands" Schluß gemacht werden. Es werden wieder – neben den späteren Grenzverläufen – die Grenzen des Deutschen Reiches im Jahre 1937 gezeigt. Auch das Fernsehen, so die Hoffnung der Welt, werde auf der Wetterkarte nicht länger allein Rhein, Elbe und Oder zeigen, sondern Deutschland in den juristisch fortgeltenden Reichsgrenzen.

Da lacht das Herz der Gestrigen. Die Wende zeigt eben doch Folgen! Trotz Strauß, dem Einfädler des Kredits an die DDR. Und Friedrich Zimmermann hat nicht umsonst vor einem Jahr versprochen, die Regierung beziehe in die deutsche Frage auch die ostdeutschen Gebiete jenseits von Oder und Neiße ein. Das habe natürlich nichts mit Unfreundlichkeit gegenüber dem Osten oder Revanchismus zu tun. Nein, es geht darum, den Wiedervereinigungsanspruch zu verteidigen. Und es geht natürlich auch ums Prinzip.

Zum Glück zeigt sich das innerdeutsche Ministerium wenigstens etwas vorsichtiger. Zwar, heißt es hier, sollen die Grenzen von 1937 wirklich wieder in die Karte eingetragen werden. Aber damit werde nichts reglementiert. Auch die Kartenrichtlinien, die 1971 aufgehoben wurden, würden nicht wieder eingeführt. Das mag wie eine Nebensächlichkeit erscheinen, aber es sind oft Winzigkeiten, die eine ganze Politik als zwiespältig, wenn nicht doppelbödig erscheinen lassen.

"Männer sind wie Kohl. Am besten sind sie abgebrüht zu genießen." Diesem Satz hat Helmut Kohl es zu verdanken, daß ihm in München der Karl-Valentin-Orden für "hintergründigen Humor" verliehen worden ist. Damit hat er die Bedingungen der Satzung erfüllt, wird behauptet.

Jedenfalls muß es bei der Preisverleihung lustig zugegangen sein. Den hintergründigsten Bericht hat Roswin Finkenzeller für die FAZ geschrieben. Kohl, heißt es darin, habe eine sehr ernste Rede gehalten. "Karl Valentin, der aus Erfahrung wußte, daß ernste Personen besonders komisch sind, hätte vermutlich eine noch ernstere Rede gehalten, wahrscheinlich sogar eine über Wende und Aufschwung. Die Leute hätten sich gebogen vor Lachen, wozu sie übrigens auch bei Kohl bereit waren, ohne daß es recht gelingen wollte. Das lag natürlich an den Leuten..." Den Karl-Valentin-Orden hat eigentlich Roswin Finkenzeller verdient.

Irmgard Adam-Schwaetzer, 41 jährige Generalsekretärin der FDP, wird im Juni ihr Amt niederlegen. Sie dementiert, private Gründe hätten zu diesem Rückzug nach eineinhalb Jahren im Dehler-Haus geführt. Vielmehr habe sie von vornherein an eine begrenzte Amtszeit gedacht.

Resignation scheint allerdings auch eine Rolle gespielt zu haben. In der FDP wird ihr zwar nur Liebenswertes nachgerühmt. Aber es wird auch daran erinnert, unter wie schwierigen Umständen sie ins Amt kam: zur Belohnung, nach der Wende. Denn als einzige Frau in der Fraktion hatte sie Genscher dabei unterstützt.

Die Arbeit an der Spitze der Programmkommission, die nach Zukunftsperspektiven suchen soll, aber nicht fündig wird; Zuarbeit für Genscher, der sie geholt, aber nicht als Ratgeberin betrachtet hat; die Rolle der Dolmetscherin gegenüber einer Öffentlichkeit, die der FDP nicht mehr sehr genau zuhört; die Organisation einer Partei, die nicht einmal mehr in allen Landesparlamenten existiert – vermutlich ist es kein Trost, aber wem hätte das Sammelsurium von Aufgaben nicht über den Kopf wachsen können? Gunter Hofmann