Er fühlte sich zunehmend wohl, "unser Innenminister Dr. Fritz Zimmermann", wie ihn der Vorsitzende der CSU-Filmkommission Huber jovial vorstellte. Das "9. Filmgespräch der CDU/CSU", das dieser Tage in München stattfand, lief für unseren Fritz ganz gut. Der Widerstand gegen die geplanten Änderungen der Filmföraerung blieb moderat, und am Ende bedankte sich der Minister bei seinen Gegnern für das "sachliche" Gespräch. Da war was falsch gelaufen.

Es fing damit an, daß Huber das "beispiellose persönliche Gesprächsangebot" Zimmermanns rühmte und dieser mit scheinbar völligem Ernst (nur der Schalk sprang ihm aus den Augen) sagte, fairer und liberaler als er selber könne überhaupt niemand sein. Das war nun wirklich ein guter Scherz, und Alexander Kluge nahm ihn auf, indem er die darstellerischen Qualitäten Zimmermanns rühmte und ihm einen hohen Unterhaltungswert bescheinigte.

Nicht schlecht gekontert, nur: Auch Kluges Auftritt hatte Unterhaltungswert, auch Kluge ist ein Darsteller, und zwar der Charakterdarsteller des sogenannten Jungen Deutschen Films. Diese jungen Helden, ob sie Herzog, Schlöndorff oder Syberberg heißen, die mit der Filmförderung, der sie manches verdanken, beträchtlich in die Jahre gekommen sind, werden von Zimmermanns Plänen nicht berührt. "Wenn ich Ihre Qualitätsansprüche anlegen darf", sagte Zimmermann zu Herzog, "dann habe ich keine Probleme."

Probleme hat er allerdings mit jenen Künstlern, die eine "pseudokünstlerische Selbstbefriedigung und Selbstverwirklichung" wollten und auf die Bedürfnisse und Wünsche des Publikums nicht achteten. Die kennt Zimmermann genau, weswegen er bestimmte sittliche Grenzen ziehen muß und beispielsweise ein Filmprojekt nicht fördert, in dem "Fäkalerotik" vorkommt. Damit meinte er vermutlich Elfi Mikeschs Filmprojekt "Die Verführung", dessen Förderung er gegen das Votum des Auswahlausschusses verweigert hat.

Es mehren sich also die Fälle, wo unser Fritz klar zu erkennen gibt, was er politisch und moralisch nicht will. Nunsagt er: jeder könne drehen, was ihm beliebe (im Rahmen der... und auf dem Boden von...), aber niemand habe Anspruch auf staatliche Förderung. Richtig. Aber wenn diese Förderng stattfindet, hat dann Zimmermann das Recht, seine Definition dessen, was als abweichend zu betrachten sei, verbindlich zu machen? Also oberster Kunstrichter in Filmsachen zu sein? Mit moralischen und ästhetischen Kriterien, die einem jesuitischen Knabenkolleg entstammen?

Die alten Herren des Jungen Deutschen Films stellten solche Fragen nicht, und die Jungen waren nicht da.

Ulrich Greiner