Von Petra Lehnert

Was kann eine Stadt unternehmen, wenn sie fünfzehn Milliarden Mark Schulden hat und die Ausgaben den Einnahmen immer weiter davonzulaufen drohen? Sie kann versuchen, weniger auszugeben und sie kann sich nach neuen Einnahmequellen umsehen. In beiden Fällen müssen die Politiker mit heftigen Protesten der Betroffenen rechnen. Doch die Art und Weise, in der in der hochverschuldeten Hansestadt Hamburg seit Anfang des Jahres Steuern und Gebühren erhöht worden sind, läßt Zweifel aufkommen, ob die verantwortlichen Finanzexperten sich ausreichend Gedanken über mögliche Reaktionen der Bevölkerung gemacht haben.

Denn bei der verzweifelten Suche nach zusätzlichen Einnahmen kamen Hamburgs regierenden Genossen einige Einfälle, die auch ihren Amtsbrüdern im sagenumwobenen Schilda zur Ehre gereicht hätten: eine zehnprozentige Getränkesteuer, die Milch- und Schnapstrinker gleichermaßen trifft, eine Regensteuer und eine glatte Verdoppelung der ohnehin schon hohen Hundesteuer.

Vor allem die deftige Erhöhung der Hundesteuer von 120 auf 240 Mark jährlich erregt seither die Gemüter. Die BILD-Zeitung, für jedes emotionsgeladene Thema dankbar und getreu dem Motto „BILD kämpft für Sie“, berichtete herzerweichend über das zu erwartende Elend vieler Hunde, die nun in den Wäldern ausgesetzt oder im Tierheim abgeliefert würden, da Herrchen oder Frauchen das Geld für ihre Lieblinge nicht mehr aufbringen könnten. Das Blatt rief eine Spendenaktion ins Leben und stellte sich als Berater für notleidende Hundehalter zur Verfügung.

Doch die prophezeite Hamburger Hundekatastrophe blieb aus. Auch wenn sogar die Londoner Times unter der Überschrift „A dog’s life“ dem Hamburger „Hundeexodus“ sechs Zeilen widmete, so wurden bisher im Hamburger Tierheim an der Süderstraße nur wenige Hunde unter Hinweis auf die nicht mehr tragbare finanzielle Last abgeliefert. Die Berufung auf die Steuererhöhung sei in einigen Fällen nur ein Vorwand, um einen aus anderen Gründen lästig gewordenen Vierbeiner loszuwerden, meinte der in diesen Dingen erfahrene Geschäftsführer Wagner.

Das heißt aber nicht, daß die Hanseaten die rigorose Besteuerung ihrer Tierliebe widerspruchslos hinnehmen. Eine Welle der Empörung brach über die Abteilung für Hundesteuer im Hamburger Finanzamt Nord herein. Das Telephon steht seit Jahresbeginn nicht mehr still. Häufig lassen die Tierfreunde ihre Wut über die Steuerpolitik des Senats an den daran unschuldigen Beamten rücksichtslos aus. Der Posteingang – normalerweise fünfzehn bis zwanzig Briefe täglich – schwoll auf zwei- bis dreihundert an. Das Personal der Abteilung ist völlig überlastet. Neuer Ärger ist deshalb schon absehbar. Denn die Arbeit ist fristgerecht nicht zu bewältigen und so wird es vorkommen, daß die Steuer noch von Hundehaltern eingezogen wird, die ihren Fifi bereits abgemeldet haben. 46 000 Hundesteuermarken warten zudem darauf, geprüft und – da sie nicht durch die Frankiermaschinen laufen können – per Hand verschickt zu werden. Hinzu kommt, daß seit dem 28. Dezember etwa tausend Vierbeiner von ihren Besitzern ab- oder umgemeldet worden sind. In anderen Fällen hat Herrchen Steuerbefreiung beantragt. Mit weiteren Anträgen dieser Art ist zu rechnen;

Einen solchen Ansturm habe man in diesen Räumen noch nicht gesehen, meinte Horst Redeker, Vorsteher der Abteilung – auch nicht 1970/71, als das Entgelt für den besten Freund des Menschen bereits einmal verdoppelt wurde. Damals sank die Zahl der registrierten Hunde nur um etwa 75. Viele Steuerzahler haben sich erst jetzt nach der drastischen Erhöhung dazu entschlossen, von ihren rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch zu machen.