Bundesgesundheitsminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat die vom SPD-Bundestagsabgeordneten Dietrich Sperling in Aussicht gestellte Preiswürdigkeit an Sperling zurückgegeben. Wegen einer von Geißler verordneten Änderung bei der Fruchtsaftverordnung – die Worte: „gut sichtbar, deutlich lesbar“ wurden durch die Worte: „deutlich sichtbar, leicht lesbar“ ersetzt – hatte Sperling den Bundesminister witzig, ironisch kritisiert: „Die Wende hat mittlerweile auch den Fruchtsirup erreicht“ (Siehe Bonner Kulisse v. 13. Januar).

In einem offenen Brief hat Geißler nun mit Dank geantwortet und die Gelegenheit wahrgenommen, auf den ihm wichtig erscheinenden „richtigen Gebrauch der deutschen Sprache in Gesetzen und Verordnungen“ einzugehen. Geißler: „Das richtige Deutsch, was wir von den Lehrern in den Schulen erwarten, sollte auch der Gesetz- und Verordnungsgeber praktizieren. Sie müßten mir eigentlich zustimmen, daß der Begriff ,deutlich lesbar‘ schlichter sprachlicher Unsinn ist. Man kann (wenn man es kann) deutlich schreiben, aber nicht deutlich lesen“. Just aus dem Grund habe er bei Gelegenheit einer anderen Fruchtsirupverordnungs-Anderung den sprachlichen Unsinn beseitigt, womit auch ein wichtiger Beitrag zur Entbürokratisierung geleistet worden sei.

Dann spöttelte Geißler über Sperling: „Ich würde mir gern die Zeit nehmen, Sie – wann immer Fragen der deutschen Sprache zur Debatte stehen – kollegial zu beraten. Sie sollten sich nicht scheuen, von diesem Angebot Gebrauch zu machen, auch wenn Sie beruflich als Lehrer tätig waren. Ich versichere Ihnen ausdrücklich, daß ich es – falls Sie wieder Fehler machen oder etwas nicht wissen sollten – nicht so machen werde wie die Lehrer früher, die bei einer entsprechenden Gelegenheit gesagt hätten: Sperling – 5 – setzen!“

Finanzminister Gerhard Stoltenberg hat bald wieder einen neuen hohen Posten zu vergeben und zwar das Präsidentenamt beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Berlin. Auf dem Posten amtiert derzeit Inge Lore Bähre, die im Februar 64 wird und somit dem Ruhestand naherückt. Allerdings scheint sich niemand nach Berlin zu drängeln, denn anders als bei sonstigen Vakanzen sind bislang noch wenig Präsidentenanwärter bekannt. Die Zurückhaltung wird zum Teil darauf zurückgeführt, daß die Stelle nur mit B 7 besoldet wird, was inclusive Ortszuschlag rund 9 000 Mark ausmacht. Gemessen an den hohen Gehältern, die auf Vorstandsetagen von Banken üblich sind, und mit Bankvorständen müssen die Präsidenten der Kreditaufsicht schließlich tagein tagaus verkehren, ist das in der Tat nicht üppig. Was den Posten außerdem wenig reizvoll macht, ist die nicht ganz unberechtigte Sorge, daß die Amtsinhaber, einmal in Berlin, von dort nicht mehr so rasch wegkommen, um in Bonn zu noch höheren Weihen zu gelangen.

Für Ministerialrat Joachim Henke aus dem Bundesfinanzministerium wäre das freilich der geringste Grund, einen denkbaren Aufstieg von Besoldungsgrupe B 3 in Bonn nach B 7 in Berlin zu scheuen. Der Mann, der gegenwärtig an der Reform des Kreditwesengesetzes arbeitet und sachlich ein geeigneter Nachfolger für Inge Lore Bahre wäre, hat in Bonn ohnedies nicht viel Chancen, bald Karriere zu machen. Ihm wird nämlich nachgesagt, er sei dem früheren SPD-Finanzminister Hans Matthöfer enger verbunden, als einem Boaner Beamten nach der Wende lieb sein kann. Doch es sieht nicht so aus, als ob sachfremde Nachteile, die für Bonn hinderlich sind, für Berlin als Vorteil gelten könnten. Vielleicht wird der Nachfolger aus dem Bundesaufsichtsamt selbst kommen, nachdem ein Kandidat aus der Bundesbank abgesagt hat.

Im Augenblick hat Verteidigungsminister Manfred Wörner ja alle Hände voll zu tun, seine Generals-Affäre zu bewältigen, folglich auch keine Zeit, sich um die geeignete Besetzung für seinen dritten beamteten Staatssekretärsposten zu kümmern. Der Haushaltsausschuß des Bundestages hatte dem Minister das Geld für diesen Pesten bewilligt und zwar ab 1. Januar 1984.

Der dritte Mann soll Wörner das Rüstungsmanagement in Ordnung hatten, es vor allem erst einmal so richtig auf Vordermann bringen, damit Wörners Beteuerung: „Das Haus ist führbar“, auch irgendwann auf realistischen Grundlagen steht. Nachdem der frühere Manager der Gutehoffnungshütte, Manfred Lennings, abgesagt hat, konzentrierten sich die Personalüberlegungen des Ministeriums gegenwärtig auf den deutschen NATO-Botschafter Hans-Georg Wieck Das ist unumstritten ein guter Mann, der Union verbunden, der überdies auch noch bei Verteidigungsminister Helmut Schmidt in die hohe Management-Schule gegangen ist. Wieck war im Verteidigungsministerium zuletzt Leiter der Planungsabteilung. Im Gespräch war auch der CDU-Abgeordnete Lutz Stavenhagen, einer der Verteidigungsexperten seiner Fraktion. Doch er will nicht.