Am 26. Januar bekommt der Dichter Paul Wühr den Bremer Literaturpreis

Von Peter von Becker

"Eine falsche Sprache, wie ich sie verstehe, setzt sich reicht in Widerspruch zu Richtigem. Sie eröffnet keine Diskussion. Sie ist nicht diskursiv. Sie will nicht überzeugen, sie belehrt nicht, sie teilt nichts mit. Ihr Stoff ist zwar der allgemeine, aber sie versetzt sich mit ihm nur in den Schwebezustand, der endgültige Aussagen über und unter sich läßt. Ich spreche von einer poetischen Sprache, die weder surrealistisch mit der Norm bricht, noch praktischen Aktionen das Konzept liefert für Sprengungen einer negierten Realität, sondern Sprache ist, in der unter andern, aber insbesondere, ein Sprechen jenseits kruder Gegensätze und Entscheidungen geübt werden kann."

Paul wahr, Vorrede zu dem Gedichtband "Rede", 1979.

Bisher war die Münchner Leopoldstraße ein Gerücht. Dort, wo nach einigen prächtigen Versicherungspalästen sich links und rechts eine Reihe arglos hintereinandergeschachtelter Neubauten gegenüberstehen, in den unteren Stockwerken mehrheitlich belegt von Jeans- und Pizzabuden, Eisdielen, Woolworth und Restaurants, in denen internationale Küchenkontingente um Aufnahme in die Deutsche Speisewagengesellschaft wetteifern, dort erzählt das Gerücht von einem Großstadt-Boulevard. Tatsächlich trauen dieser Botschaft außer den Ewigdankbaren, auf deren heimatlichen Straßen es auch im Sommer nur regnet, vor allem die Bewohner des Landes, das ansonsten für seine Flanierstraßen den treffenden Begriff der Fußgängerzone erfunden hat.

Wer dem Gerücht nun weiter stadtauswärts folgt, trifft auf eine größere Verkehrsinsel vor der Gabelung zwischen Leopold- und Ungererstraße; in der Mitte eine Art Busbahnhof, dahinter, als Vorhof zur U-Bahnstation, eine abgesenkte Betonwanne, Spielebene und Kauffläche mit etwas dauerndem Grün, Bänken und Plätscherbrunnen, drumherum 1 Hertie, 1 Kirche, 1 Discothek, 1 Fachgeschäft für Augenoptik, 1 Café, das Leopoldkino, 2 Metzger, Bankfilialen. Dieses Areal heißt Feilitzschplatz, wird aber im Volksmund und Verkehrsverbund "Münchner Freiheit" genannt und von gerüchthörigen Touristen gelegentlich mit einem Platz in Hamburg-St.-Pauli verwechselt. So war das Jahr für Jahr, so ist es nimmermehr. Denn wer will, der kann sie jetzt entdecken: die Große Münchner Freiheit.

Er findet dort das Museum vieler Zeiten und Leidenschaften und die Szenen des jüngsten Gerichts über Kinder, Hunde und Menschen, Gott, Tod, den Krieg und die Liebe, die Philosophie und die Poesie. Eintritt frei in Paul Wührs Münchner Großes Welttheater?