Warum die Amerikaner aus der Unesco austreten wollen

Von Rudolf Walter Leonhardt

Paris, im Januar

Gough Whitlam weiß es genau: Die Regierung Reagan hat die Unesco ihrer wilden Rechten zum Fraße vorgeworfen. Whitlam war einmal australischer Regierungschef, als die Sozialdemokraten dort die Mehrheit hatten. Heute ist er Botschafter Australiens bei der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur in Paris und residiert prächtig in den großzügigen Räumen der australischen Botschaft. Die amerikanische Delegation hockt in engen Zimmerchen in einem Nebengebäude des sechsstöckigen, Y-förmigen Unesco-Baus an der Place de Fontenoy. Das zeigt schon ein bißchen, welches Gewicht die verschiedenen Staaten ihrer Unesco-Vertretung zumessen.

Whitlam ist ein großer alter Mann mit breiten Schultern, offen und direkt. Es gibt nichts, worüber man mit ihm nicht reden könnte. Und man möchte nächtelang mit ihm reden, denn er hat soviel erfahren. Freilich beugt auch er sich dem Stil des Hauses: Er möchte nicht wörtlich zitiert werden. Niemand, der mit der Organisation zu tun hat, möchte wörtlich zitiert werden. Also zitiere ich in indirekter Rede und verbürge mich für den Sinn, nicht für die Wörter.