Die Konzentration auf den Fahrzeugbau bringt Italiens Autokonzern endlich wieder Gewinn

Die Nachricht war so gut, daß Rat sie noch vor dem üblichen Aktionärsbrief des Präsidenten Giovanni Agnelli dem Wall Street Journal zukommen ließ: Der Turiner Autokonzern hat erstmals seit fünf Jahren im Autogeschäft wieder einen Gewinn erzielt. Finanzchef Francesco Paolo Mattioli nannte auch gleich die Größenordnung, nämlich 85 bis 90 Millionen Mark.

Das ist zwar ein schöner Batzen für das Unternehmen. Noch mehr aufhorchen läßt aber eine weitere Zahl. Dem Konzern ist es gelungen, seine Schulden von 4,5 auf 3,6 Milliarden Dollar abzubauen. Da 1983 auch die Dividenden- und Beteiligungseinnahmen der Fiat-Holding um ein Fünftel auf fast 200 Millionen Mark gestiegen sind, läßt sich erkennen, daß die Ertragskraft des größten italienischen Privatkonzerns im vergangenen Jahr ganz erheblich zugenommen hat.

Seit vielen Jahren zahlte das Unternehmen die Dividende teils aus seinen lukrativen Nebenbeschäftigungen „zu Wasser, zu Lande und in der Luft“, wie der traditionelle Fiat-Slogan lautet – teils aber auch aus den Reserven. Diesmal ist das Geld für die Ausschüttung voll verdient. 1982 war nach langer Zeit das erste Jahr ohne große Streiks in Turin. Die innerhalb von nur drei Jahren um 100 000 auf 300 000 Mann zusammengeschmolzene Konzernbelegschaft arbeitet effizienter. Die Leistung stieg nicht nur, weil das weltanschaulich begründete Bummeln aufhörte. Es macht sich nun auch bemerkbar, daß Fiat seit dem Ende der Sozialkonflikte in Italien jedes Jahr eine Milliarde Dollar in die Autoproduktion steckte.

Damit wird nicht nur die große Schar der vierzehn Modelle mit achtzig Variationen vollständig erneuert. Rat automatisierte gleichzeitig die Produktionsanlagen. Dabei macht sich die eigene Roboterproduktion sehr gut bezahlt. Sie liefert Automaten auch an die Konkurrenz. Insgesamt hat die Rationalisierung Fiat innerhalb von vier Jahren wieder zum Gleichstand der Produktionskosten gegenüber der europäischen Konkurrenz verholfen. Die Wunden, die Italiens Sozialkämpfe ein Jahrzehnt lang geschlagen hatten, sind nun verteilt.

Wenn der Konzern heute wieder 53 Prozent seines Umsatzes von 36 Milliarden Mark mit dem Personenwagen erzielt, gegenüber nur vierzig Prozent vor wenigen Jahren, dann steht hinter dieser Renaissance die Philosophie des Fiat-Präsidenten Giovanni Agnelli, daß ein guter Schuster bei seinen Leisten bleiben soll. Die Turiner haben mit ihrer erneuerten Produktreihe zunächst einmal in Italien der europäischen Konkurrenz wieder das Fürchten beigebracht. Hatten die Ausländer ihren Marktanteil in den letzten Jahren ständig erhöht und 1982 erstmals vierzig Prozent überstiegen, so büßten sie im abgelaufenen Jahr vier Punkte ein.

Die Turiner verkauften dagegen gleichviel wie im Vorjahr, so daß ihr Marktanteil um vier auf 55,4 Prozent stieg. Im Dezember überschritt der Fiat-Konzern sogar sechzig Prozent Marktanteil. Unter den zehn meistverkauften Modellen in Italien ist die Fiat-Gruppe siebenmal vertreten. Von den Ausländern sind nur noch Ford Fiesta an sechster und VW Golf an siebter Stelle geblieben.