Ist etwas faul im Staat der Bundesrepublik? In Wilhelmshaven wird dem Oberstadtdirektor die Führung seiner Dienstgeschäfte verboten, weil er Reisekostenbestimmungen verletzt hat. Der Vorwurf zielt auf das Geschäftsgebaren einer mit der Wirtschaft hoffnungslos verfilzten Kommune. In Augsburg kommt man dem Polizeidirektor auf die Schliche: Er soll den Polizeicomputer benutzt haben, um die Wohnsitzdaten eines CSU-Parteifreundes, der inzwischen zum Feind geworden ist, abzufragen, damit gegen ihn ein Parteiausschlußverfahren beantragt werden kann.

Die hanebüchenste Nachricht kommt aus Berlin: Still und leise sind dort sechs ausländiche Zeugen abgeschoben worden, die jüngst die entsetzliche Brandkatastrophe im Abschiebegefängnis am Augustaplatz überlebt haben. Polizeiliche Begründung für die Abschiebung der Zeugen: „Sie waren dran.“

„Das ist einfach Weltuntergang, Herr Direktor!“ möchte man sich mit Pastor Spitta aus Gerhart Hauptmanns „Ratten“ aufregen. Die Selbstverständlichkeit, mit der in fallen diesen Fällen Grenzen überschritten wurden, schrickt. Oder soll es schon ein Trost sein, daß die Öffentlichkeit – spät, aber nicht zu spät – noch alarmiert wurde? Und wir? Was sollen wir gegen das Gefühl machen, daß der Morast bei uns überhaupt keinen Grund mehr zu haben scheint? Wenn wir Realisten sind, antworten wir dem Pfarrer mit den Worten von Hauptmanns Theaterdirektor Hassenreuter: „Ach, Herr Pastor, die Welt, die geht nicht unter.“ Sie war schon immer so. N. G.