Von Helmut Becker und Wolfgang Gehrmann

Am Anfang hatte die gute Absicht von Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff gestanden, die japanische Herausforderung anzunehmen. Der Minister, häufiger Gast in Tokio und damit Zeuge des deutschen Imageverfalls in Japan, ermunterte vor zwei Jahren die heimische Industrie zu einer Leistungsschau in der Höhle des Löwen: In einer beispiellosen Präsentation von Spitzentechnologie made in Germany sollte 1984 in Tokio das zunehmend ramponierte Ansehen der deutschen Industrie in Nippon aufgebessert werden.

Japan zeigte sich entzückt: Eine nationale Leistungsschau hatte bisher noch kein fremder Industriestaat in Nippon gewagt. „Die Deutschen wollen kommen“, freute sich frei von jeder Geringschätzung Tokios renommierte Tageszeitung Asahi in einem Bericht über die große Show.

Doch die Freude der Gastgeber war etwas verfrüht: Die deutschen Firmen taten sich anfangs reichlich schwer, die Reise nach Tokio anzutreten. Die Begeisterung der Unternehmen, mitten in der Rezession einen teuren und möglicherweise riskanten Kraftakt nationaler Imagepflege zu wagen, verhielt sich umgekehrt proportional zum Respekt vor dem gefährlichen Konkurrenten in Fernost. Die meisten Firmen besannen sich auf die Parabel von Hase und Igel: Die deutsche Großchemie etwa ließ erklären, man sei ohnehin schon gut auf dem japanischen Markt vertreten und erwarte durch kollektive Leistungsbeweise keinen meßbaren Popularitätsgewinn. Für andere Firmen wie Grundig oder Loewe Opta, die sich daheim schon kaum des japanischen Vorstoßes erwehren könhätte ein demonstrativer Auftritt in Fernost nen, an Frivolität gegrenzt. Der größte deutsche Maschinenbaukonzern, die Oberhausener Gutehoffnungshütte, dachte nicht daran, die Schau mitzumachen.

Zwölf Monate vor dem Messebeginn noch klagte die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) aus Sorge um die Reputation der von ihr vertretenen Kundschaft: „Ehe wir uns blamieren, dann doch lieber keine Leistungsschau.“

Am Ende aber schien sich dann alles noch zum Guten zu fügen. War es nach dem Regierungswechsel in Bonn in Deutschlands Wirtschaft aufgekommener Optimismus oder die Furcht vor einer peinlichen Blamage vor dem Hauptkonkurrenten am Weltmarkt: Mitte 1983 fanden sich doch über 280 Firmen bereit, den guten Ruf des made in Germany in Fernost zu retten. Bonn versprach überdies eine kräftige Finanzspritze von rund zwölf Millionen Mark, immerhin zehn Prozent der erwarteten Schaukosten.

Doch heute, drei Monate vor dem Messebeginn, scheint zweifelhafter denn je, ob die große Industrieschau ein Erfolg wird. Nicht nur wurde mit dem Kostenzuschuß aus Bonn der Keim zu einem Kompetenzgerangel sondergleichen gelegt. Als fatal erwies sich auch, daß kein geringerer als der Bonner Bundeskanzler sich der Sache annahm. Von der deutschen Industrie ermuntert, schlug Helmut Kohl bei seinem Staatsbesuch Ende Oktober in Japan seinem Amtskollegen Nakasone vor, gemeinsam mit ihm die Schirmherrschaft über die Schau zu übernehmen. Der willigte ein – leider. Denn was der arglose Kohl nur als nette, werbewirksame Geste gemeint hatte, mußte Nakasone nach japanischem Comment als Verpflichtung zum aktiven Engagement verstehen.