Geschäfte ohne lästige Konkurrenz sind die besten Geschäfte. Nach diesem Motto blüht und gedeiht seit beinahe zwei Jahrzehnten ein Industrie-Club mit so feinen Mitgliedern wie Siemens, SEL, Kabelmetal, Philips und AEG. Sie alle produzieren weitgehend unbehelligt von Wettbewerbern im In- und Ausland Kabel – vor allem für die Deutsche Bundespost, die Ziehmutter dieses Kartells. Beamte mögen geordnete Verhältnisse.

So idyllisch sollte es bleiben, wenn es nach den Kartellbrüdern ginge, obwohl eine technische Revolution bevorsteht: die Ablösung des Kupferkabels durch die Glasfaser. Schön im Gleichschritt kündigten sie vor gut einem Jahr eine gemeinschaftliche Fabrik in Berlin an, die von 1985 an jährlich hunderttausend Faser-Kilometer herstellen soll – genau jene Menge, die Postminister Schwarz-Schilling als Bedarf avisiert hat.

Womöglich wäre der Kabelclub auch beim Kartellamt mit seinem Argument durchgekommen: Zwar sei das Glasfaser-Gemeinschaftsunternehmen eindeutig marktbeherrschend und dürfte deshalb eigentlich kein Plazet der Wettbewerbshüter erhalten, aber bei der neuen Faser-Technologie sei der finanzielle Aufwand so hoch, daß es keiner allein schaffen könne.

Zum Glück erschien nun jedoch überraschend ein Outsider auf der Szene und widerlegte die Behauptung der Etablierten: Die Firma Wacker Chemietronic, an der zur Hälfte Hoechst beteiligt ist, will nämlich allein in den Glasfaser-Markt einsteigen. Das Kartellamt hat es nun leicht, die wettbewerbsfeindlichen Pläne der Kartellbrüder zu blockieren. üth