Mit seinem berühmten Satz: „Wer kein Geld hat, soll keine Bank betreiben“ hat sich Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff schon vor Jahren als Anhänger eines puristischen Eigenkapitalbegriffs qualifiziert.

Doch seltsam. Jetzt, da es um die gesetzlichen Neuregelungen für die Ausstattung von Banken und Sparkassen mit echtem Eigenkapital geht, legt ausgerechnet er sich quer. Die Modernisierung des entsprechenden Gesetzes kam bisher nicht voran, weil Lambsdorff zwei vom Bundesfinanzminister gewünschte Neuerungen ablehnt. Stoltenberg will der besseren Kontrolle wegen auch 25prozentige Auslandtöchter deutscher Mutterbanken in die zusammengefaßte Bilanz einbeziehen; Lambsdorff will Beteiligungen unter 50 Prozent draußenlassen. Stoltenberg will auch die Hypothekenbanktöchter in die zusammengefaßte Bilanz der Mütter aufnehmen; Lambsdorff sagt: Nur über meine Leiche

Der Bundeswirtschaftsminister enttäuscht seine Anhänger durch Inkonsequenz und Prinzipien-Untreue. Inkonsequent ist er, wenn er zuläßt, daß Banken über Beteiligungen unter 50 Prozent weiterhin ihr unkontrolliertes Spiel in Luxemburg und anderswo treiben dürfen. Untreu wird der für Wettbewerb zuständige Minister seinen Prinzipien, wenn er zuläßt, daß private Banken mit Hypothekenbanktöchtern besser behandelt werden als öffentlich-rechtliche Landesbanken mit ihrem Hypothekengeschäft. R. H.