ARD, Sonntag, 22. Januar, 21.10 Uhr: „Die Fälschung“, von Volker Schlöndorff

Es hat sich nichts geändert seit Volker Schlöndorffs Film „Die Fälschung“, nach dem gleichnamigen Roman von Nicolas Born gedreht, 1931 in unsere Kinos kam. Nicht im Libanon – die blutigen Kämpfe zwischen den verfeindeten Gruppen flammen immer wieder auf –, nicht in den Medien, in denen Reporter das Unerträgliche immer noch und immer wieder „in eine gute allgemeine Verträglichkeit“ bringen.

Eben daran leidet Georg Laschen, Reporter eines großen Hamburger Magazins, als er nach vielen Einsätzen in krisengeschüttelten Regionen im Chaos der libanesischen Hauptstadt Beirut die Wirklichkeit zu erfassen, zu beschreiben sucht. Kann er Leben, kann er das Chaos überhaupt vermitteln? Wird nicht durch den Vorgang der Vermittlung verfälscht, was er hört und sieht und fühlt?

Georg Laschen ist in einer Bewußtseinskrise. Er fühlt sich nicht mehr wohl in seiner Rolle als unbeteiligter Beobachter. Gleich zu Beginn des Films hört der Zuschauer diesen gedankenschweren Satz – von Laschen aus dem Off gesprochen: „Ich habe keine Angst, mein Leben zu fälschen, aber Angst davor, daß ich es eines Tages nicht mehr bemerke und weitermache, daß es so zu einem normalen Leben wird, zu einem langen, bedeutungslosen Stoffwechsel, angesichts dessen ich nicht mehr erschrecke.“

Beirut kann man ab Metapher sehen für die innere Zerrissenheit eines Menschen. Und so ist Schlöndorffs Literaturverfilmung vermutlich auch gemeint. Der Verleih aber, offenbar blind für das Thema des Films, protzt gerade mit dem realen Grauen: „In dieser Geisterstadt mit ihrer makabren Kulisse, die ihm weder Cinecitta noch Geiselgasteig hätte liefern können, hat Volker Schlöndorff die Action-Szenen seines neuen Films ‚Die Fälschung‘ gedreht.“

Der Film ist kein politisches Pamphlet, ist nicht um Erhellung der verworrenen Ereignisse im Libanon bemüht. Er heftet sich an die Fersen – die Kamera verfolgt Georg Laschens Weg durch die grauenvoll zerstörte Stadt, ins umkämpfte Umland, in die Berge –, aber vor allem an die Gedanken seiner Hauptfigur. Und der Zuschauer kann, obwohl dies im Roman ungleich schärfer und eindringlicher dargestellt wird, den inneren Wandel Georg Laschens mitverfolgen. Nicht zuletzt durch Bruno Ganz, der wie in den meisten seiner Filme auch hier die Balance hält zwischen insistierendem Engagement und unnahbarer Verschlossenheit.

Laschen fühlt sich in Beirut angezogen von einer Frau, die sich mit dem bloßen Beobachten nicht mehr begnügt. Ariane, deutsche Botschaftsangestellte und Witwe eines Arabers (Hanna Schygulla), läßt sich zwar auf eine Beziehung mit Laschen ein, schließlich aber bekennt sie sich zu dem Land, in dem sie lebt: Sie adoptiert ein arabisches Waisenkind. Für Laschen ist in ihrem Leben kein Platz mehr. Inmitten der Tristesse und Grausamkeit ist das für ihn die vielleicht schmerzlichste Erfahrung.