Der rückläufige Dollar-Kurs hat die Mienen der Börsianer aufgehellt. Eine Anhebung des Lombardsatzes ist nicht mehr zu befürchten. Ob das allerdings die Nachfrage nach festverzinslichen Papieren nachhaltig beleben wird, steht vorerst noch dahin. Wichtig ist, daß von der Zinsseite im Augenblick keine Belastungen mehr für das Klima am Aktienmarkt befürchtet werden.

Die Aktienkäufer können sich deshalb wieder den wirtschaftlichen Fakten, vor allem den Gewinnschätzungen, widmen. Nach einer Untersuchung der BHF-Bank haben sich 1983 die Unternehmenserträge durchschnittlich um 20 Prozent erhöht. Für 1984 erwartet die Bank – wenn auch verlangsamt – eine Fortsetzung dieses Trends. Die deutlichsten Ergebnisverbesserungen werden von den Maschinenbauunternehmen erwartet, die überproportional von der sich abzeichnenden Belebung der Investitionsgüternachfrage profitieren sollten. Aber auch in anderen exportorientierten Branchen dürften sich nach Meinung der BHF-Bank die Gewinne einzelner Unternehmen weiter verbessern.

Es stellt sich aber die Frage, inwieweit diese Gewinnerwartungen bereits in den heutigen Kursen vorweggenommen worden sind. Bei Daimler lauten die Ergebnisschätzungen für 1984 je Aktie auf 68 (60) Mark. Das entspricht bei einem Kurs von 619 Mark einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,1. Ähnliche Relationen lassen sich auch bei anderen deutschen Spitzenpapieren ausmachen. Von einer generellen Überbewertung der Aktien kann deshalb so lange keine Rede sein, wie die berechtigte Hoffnung besteht, daß die optimistischen Gewinnprognosen auch in Erfüllung gehen werden. Und dies wiederum hängt entscheidend von der jetzt beginnenden Lohnrunde ab.

Chancen werden auch den Bank-Aktien zugebilligt. Zwar dürften sich die Kreditinstitute schwer tun, ähnliche Ergebnisse auf der Einnahmenseite zu verbuchen wie 1983. Bei ihnen sollte die Ertragsbesserung durch eine Verminderung des Rückstellung- und Wertberichtigungsbedarfes erfolgen. In der Bundesrepublik läuft die Pleitewelle aus und international ist eine Schuldenregelung gefunden worden, mit der die Institute überleben, können. K. W.