In der Nacht vom 16. auf den 17. Januar sind im Präsidialausschuß des Verwaltungsrates der Westdeutschen Landesbank (WestLB) zwei wichtige Personalentscheidungen gefallen. Sie wurden der Öffentlichkeit auf denkbar lapidarste Weise mitgeteilt: „Die Herren Vinzenz K. E. Grothgar, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, und Heinrich Viefers, Mitglied des Vorstands, sind am 16. 1. 1984 aus dem Vorstand der Bank ausgeschieden.“

Der Präsidialausschuß entließ die beiden fast einstimmig, woraus geschlossen werden kann, daß die Gründe schwerwiegend sein müssen. Welche es genau sind – darüber kann die Öffentlichkeit nur spekulieren. Doch die Probleme, mit denen die Bank in den vergangenen beiden Jahren zu tun hatte, sind bekannt.

Der 56jährige Viefers war unter anderem im Aufsichtsrat der Klöcknerwerke und Aufsichtsratsvorsitzenderbei der DAL Deutsche Anlagen-Leasing GmbH, die zu 46,67 Prozent der WestLB gehört und nach eigenem Bekunden überschuldet war. Die Gesellschafter mußten diesen Zustand bereinigen. Das war 1982 schon teuer, und 1983 kostete es noch einmal Geld. Die DAL-Eigentümer waren wohl der Meinung, daß die Bereinigung nicht nur Geld, sondern auch einen Kopf kosten müsse: Es war der von Viefers.

Teuer war auch der Konkurs der Ölhandelsfirma Bomin, einer Kundin der WestLB. Sie verspekulierte sich beim Öleinkauf und stand schlecht da, als der Ölpreis fiel. Ob diese Verluste dem 49jährigen Grothgar zugerechnet werden können, ist nicht gesichert. Dagegen wird ihm sicher das ungewöhnlich hohe Engagement der Bank in hochverschuldeten lateinamerikanischen Ländern angekreidet, das hohe Wertberichtigungen erfordert. Grothgar war stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Düsseldorfer Baufirma Beton- und Monierbau und saß im Aufsichtsrat der AEG. Beide Firmen wurden zahlungsunfähig und kosteten die WestLB Geld und Renommee.

All diese unglücklichen Engagements der Bank führten für 1983 zu einem hohen Wertberichtigungs- und Abschreibungsbedarf. Trotz eines zu erwartenden Konzernbetriebsergebnisses von 1,1 Milliarden Mark muß die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung, die noch im Sommer 1983 als sicher galt, wahrscheinlich verschoben werden. Ein Sprecher der Bank: „Uns holt die Vergangenheit ein.“

*

Einzelheiten will niemand verraten, doch soviel steht fest: Erhard Lenk, jahrelang Geschäftsführer der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung, hat seinen Chefsessel im Stiftungshaus zum Jahresbeginn mit einem Stuhl im Gebäude des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vertauscht. Zwar ist Lenk, wie er selbst und die Vorstandsvorsitzende Ilse Brusis,zugleich DGB-