Ob so oder so, im Falle es könnte oder es ist, die erklärlicherweise in Anbetracht oder vielmehr, warum es so gekommen sein kann oder muß, so ist kurz gesagt kein Beweis vorhanden, daß es selbstverständlich erscheint. (Karl Valentin, „Unpolitische Käsrede“)

München

Gut, daß es Karl Valentin nicht im Traum einfiel, an diesem Freitag, dem 13., doch selbst einmal nachzusehen, wie da in seinem Namen ein Orden verliehen wurde. Selbst wenn er die fünfzig Mark für die Eintrittskarte zusammengekratzt hätte: Der Münchner Volksschauspieler und Komödiant mit seinen mitgenommenen Korkenzieherhosen und der zerbeulten Melone wäre unweigerlich gleich an der Tür aufgehalten worden. Dort stand ein uniformierter Saalwächter der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla. „Im Deutschen Theater findet heute ein Schwarz-Weiß-Ball statt“, beschied er hoheitsvoll einen verkleideten Matrosen, der auf der Suche nach Amüsement Einlaß begehrte.

Man blieb unter sich. Eher rhetorisch war deshalb auch die Frage des Festredners August Everding, gemünzt auf den Bundeskanzler Helmut Kohl: „Wolle mer ihn reinlasse?“ Die Herren im Smoking, die Damen in Taft und Seide, applaudierten höflich; von einer Mainzer Prunksitzung war diese Festgesellschaft so weit entfernt wie, nun ja, Franz Josef Strauß von Helmut Kohl.

Für alle, die nicht zum innersten Zirkel gehörten, erklärte es Everding noch einmal: „Eine Münchner Gesellschaftsgruppe, die tiefernst ihren Humor betreibt, verleiht einen Orden.“ Damit wird seit 1973 alljährlich ein möglichst berühmter Mann ausgezeichnet – und Zwar „für die humorvollste oder hintergründigste Bemerkung im Sinne Karl Valentins, für eine Rede oder Handlung, oder für ein Zitat, welches in der Öffentlichkeit publik wurde“.

Ob ihm der Abschirmdienst mitgeteilt habe, in wessen Gesellschaft er sich da bewege, fragte Everding vorsichtshalber. Zu der selbsternannten „Bruderschaft der Apostel des hintergründigen Humors“ zählen neben Strauß und Everding der frühere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky und der Münchner Spaziergänger Sigi Sommer. Daß es mehr auf die Popularität denn auf die Hintergründigkeit ankam, war spätestens mit der diesjährigen Wahl unter Beweis gestellt. Kohl schätzt das offene Gespräch, wie jeder weiß. Hintergründiges hat es da naturgemäß schwer. Unwillkommene Hilfe erhielt die Narrhalla auf der Suche nach einem passenden Zitat von Wohl- und Übelmeinenden, die scheinheilig allerlei Unpassendes zutage förderten und vorschlugen.

Das Wort, das dann alles erklärte, ist schon ein bißchen angejahrt, stammt aus des Kanzlers Mainzer Tagen. Schon damals galt es als komisch genug, um gedruckt und gerahmt einen Platz in Kohls Vorzimmer einzunehmen. „Männer sind wie Kohl – am besten leicht abgebrüht zu genießen.“ „Vielleicht in einer bayerischen Kraftbrühe?“ fragte Narrhalla-Präsident Paul Stengel Der Saal tobt. Münchner Schadenfreude ist die schönste. Dieser Applaus muß in den Ohren des Ordenträgers wie eine Drohung klingen.