Während der vatikanische „Außenminister“ Silvestrini in Stockholm die Großmächte zu neuem Vertrauen ermuntert, sichert sich Polens Kardinal-Primas in Rom die päpstliche Mitwirkung bei einem innenpolitischen Befriedungsversuch.

Nach Monaten nervöser Reibungen im Klima der angespannten Apathie des Landes nähern sich gegenwärtig wieder – hinweg über die darniederliegende Partei wie über den gelähmten Solidarność-Untergrund – die beiden einzigen noch funktionsfähigen Machtfaktoren: Kirche und Militär. Die Lage in Polen habe man „im Zusammenhang“ mit der gespannten internationalen Situation erörtert, so das Kommuniqué des Gesprächs, bei dem Kardinal Glemp und General Jaruzelski am 5. Januar Wege aus der Sackgasse erwogen.

Unumstritten war zwischen beiden, daß Polen darin nicht nur durch innere Verkrampfung steckt, sondern mehr noch durch äußere Umstände (östliche Systembedrohungs-Ängste und westliche Sanktionen). Daher die gemeinsame Absicht, die Ost-West-Politik des Vatikans für das Land zu nutzen.

Die Ernennung eines polnischen Botschafters könnte auch anderswo Barrieren beseitigen helfen. Ein päpstlicher Nuntius in Warschau, den viele polnische Bischöfe bislang für „unnötig“ hielten, würde andererseits den Rückhalt des polnischen Papstes auch dann repräsentieren, wenn die Kirche unpopuläre Kompromisse schließen muß, er würde sie aber auch vor ungeschickten Schritten bewahren können. Denn vor solchen ist weder der Primas noch der General ganz sicher.

Zwar gab es nie eine offiziell überreichte staatliche Liste der 69 „politisch Unliebsamen“ unter den 20 000 polnischen Geistlichen, doch der Fall des Priesters Popieluszko, in dessen unbenutzter Privatwohnung Flugblätter und Munition versteckt wurden (von wem?), paßte gut zu den provokatorischen Notschreien antiklerikaler Publizisten, denen allerdings auch in Parteiblättern heftig widersprochen wurde.

Danach warnte der Primas „im Einvernehmen mit den Anordnungen des Heiligen Stuhls“ den Klerus vor politischer Tätigkeit und die ganze Nation vor der „selbstmörderischen Parole: Je schlechter, desto besser.“ Dabei strich Glemp eine ausdrückliche Erwähnung sowohl regierungsnaher wie regimekritischer Priestergruppen erst aus seinem Text, als er diesen schon der Presse übergeben hatte.

Beim Formulieren nicht immer so diplomatisch wie er meint, verurteilte der Primas am 6. Januar als unmoralisch „die bloße Drohung mit todesbringenden Raketen, mit denen sich einige europäische Länder von alter christlicher Tradition ausgerüstet haben“. Am Tage vorher jedoch war laut Kommuniqué weniger einseitig von der beunruhigenden „Eskalation“ der Rüstungen die Rede.