Hermann Neuberger

Von Aloys Behler

Arbeit hat Hermann Neuberger nie gescheut. So kam ein Amt zum anderen. 1974 – ein Jahr vor seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Fußballbundes – organisierte er die Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik auf eine Weise, die draußen Eindruck machte. Was zur Folge hatte, daß er als Organisationschef bei Weltmeisterschaften quasi einen Dauerauftrag erhielt – für Argentinien 1978, Spanien 1982 und auch für Mexiko demnächst. Hermann Neuberger tut, was er kann. Seinen ungebrochenen Schaffensdrang bezeugt vorn und hinten der schöne neue Präsidenten-Mercedes, mit dem wir in die Tiefgarage der Saarland-Sporttoto GmbH einfahren: F-WM 86.

Citius, altius, fortius steht an der Stirnwand von Hermann Neubergers Arbeitszimmer in der Direktionsetage. Hat man es doch geahnt: Der Ehrgeiz des Hausherrn ist von olympischer Dimension. Zweifellos könnte das olympische Motto auch sein eigenes sein. Immer höher und weiter gebracht hat er es in seiner Karriere. Heute darf er erhaben die spöttische Reverenz genießen, die ihn – „nächst dem Bundespräsidenten“ – zum „zweitwichtigsten Präsidenten im Staate“ erklärt. Des Bundes Fußballpräsident.

In dieser Position hat er nicht viele Freunde. Schon gar nicht unter den Journalisten, die er gern „Medienvertreter“ nennt, wobei nicht klar ist, ob er sie damit ein bißchen herauf- oder herabsetzt. In den Medien sah er sich oft und heftig attackiert. Zum Beispiel, als er die Fußball-Untat von Gijon leichtfertig („Das war ein Fehler“, gibt er heute zu) als „Schnee von gestern“ wegzuwischen versuchte. Zum Beispiel, als vom DFB-Vorstand ein Wort zum Thema Fußball und Folter in Argentinien verlangt wurde. Zum Beispiel, als im Zuge der WM-Geschäfte 1974 der Verdacht aufkam, der Saarländer wolle allzu viele saarländische Schäfchen ins trockene bringen.

Es waren Angriffe aus verschiedensten Gründen – sportlichen, politischen, persönlichen. Von den meisten fühlt sich Hermann Neuberger zu Unrecht getroffen. Das hat ihn mißtrauisch gemacht, wachsam gegenüber den „Medienvertretern“. Man sieht direkt, wie er die Antennen ausfahrt. „Die Stacheln aufstellen“ nennt er das selber, der Vorgang ist ihm durchaus bewußt. Er sagt: „Ich bin zu oft mißverstanden worden“ und spricht und spricht, wohl um zu verhindern, daß ihm das hier schon wieder passiert.

Es ist die allerharmloseste Frage: Ob denn der DFB-Präsident auch selber schon mal gegen einen Fußball getreten habe. Als Hermann Neuberger mit der Antwort fertig ist, hat er sein halbes Leben umrundet. Ja, schon in der Schule hat er Fußball gespielt und Handball und überhaupt alle Art von Sport getrieben. Das Internat, auf das ihn seine Eltern, beide Lehrer, geschickt hatten, war aufgeschlossen für die Leibesübung. 1938 hat er sein Abitur gemacht, wurde Soldat, war als 23jähriger 1943 in Rom Hauptmann beim Generalstab.