Angeblich wird das liberalisierte Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch mißbraucht

Von Margrit Gerste

Frauen kämpften einst um die Fristenlösung. Sie bekamen nur eine halbe Reform. Jetzt ist auch sie gefährdet.

Das Leben vor dem Leben“ hieß im ZEIT-Magazin eine Serie, in der Katharina Zimmer neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entwicklung des Fötus im Mutterleib vorstellte (Nr. 48 bis 50/83). Die Artikel haben unsere Leserinnen und Leser zu extremen Reaktionen provoziert. So schreibt Yvonne Friedmann aus Jockrim: „Die Serie... hat mir ganz deutlich vor Augen geführt, daß Abtreibung bewußtes Töten eines Menschen, also Mord ist... Wie man bei dem heutigen Stand der Embryonal-Wissenschaften ein solches Gesetz wie unseren reformierten Paragraphen 218 gutheißen oder tolerieren kann, ist mir unerklärlich ...“

Martin Huber aus Regensburg: „Man kann nur staunen, in welch wunderbarer Weise das menschliche Leben heranreift. Umso erschreckender ist es aber, mit welch gleichgültiger Selbstverständlichkeit heute die Abtreibungen legalisiert werden.“

Die Gruppe „Frauen helfen Frauen“ in Radolfzell: „Rechtzeitig zu der noch anstehenden Paragraph 218-Diskussion in der Öffentlichkeit wird in den Medien der reaktionäre Boden schon vorbereitet, der uns Frauen wieder zwingen will, nach Holland zu fahren. Dazu zählt auch Ihr Artikel...“

C. Augustin aus Kiel: „Mit großem wissenschaftlichen Interesse las ich diesen Artikel, um dann festzustellen, daß er ... darauf abzielt, eine Stimmung zu erzeugen, in der Frauen, die abtreiben, wieder als Mörderinnen bezeichnet werden.“ (Weitere Briefe auf Seite 12 dieser Ausgabe.)