Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert schon seit über zehn Jahren, den überflüssigen Cholera-Impfzwang Aber Bord zu werfen – geimpft wird trotzdem.

Es scheint, als könne jeder an der Sache verdienen. Die Pharmaindustrie, die den Impfstoff herstellt, Ärzte, die ihn gegen Honorar verabreichen, oder Gesundheitsbeamte am Zoll, die für ein Trinkgeld auch schon mal ein Auge zu und den illegalen Stempel in den Impfpaß drücken.

Auf dem Nachweis der Cholera-Schutzimpfung beharren noch immer die Einreisebehörden von 20 Ländern in Afrika und Asien. Bei einer Erfolgsquote von 60 bis 70 Prozent für etwa ein halbes Jahr kann man in der Tat kaum von einem Impfschutz sprechen: Geimpfte sollten sich dadurch auf keinen Fall in Sicherheit wiegen und hygienische Maßnahmen vernachlässigen. Eingeschleppte Cholera-Fälle sind trotzdem sehr selten und können unter hiesigen Bedingungen schon nach wenigen Tagen im Krankenhaus kuriert werden.

Cholera ist eine typische Krankheit in Slums, Flüchtlingslagern und Katastrophengebieten, Todesursache ist akuter Flüssigkeits- und Salzverlust. Die Opfer verlieren zehn bis 16 Liter Flüssigkeit pro Tag und vertrocknen regelrecht. Nicht die Behandlung mit teuren Antibiotika und intravenösen Infusionen liefern laut WHO Abhilfe, sondern die literweise Gabe von Elektrolyten – einer in Wasser gelösten Mischung aus Salz, Soda und Zucker.

Massenimpfungen, die in den betroffenen Ländern der Dritten Welt noch immer durchgeführt werden, verschlingen wertvolle Devisen und richten womöglich mehr Schaden an, als daß sie Segen verbreiten. Durch mangelnde Sauberkeit bei der Impfung breitet sich als Folge der Kampagnen oft Hepatitis aus. Dieses Risiko geht übrigens auch ein Tourist ein, der sich am Flughafen des Ankunftslandes nachimpfen läßt.

Was also soll der Reisende in Ländern wie Ägypten, Libyen, den Malediven oder Südkorea tun? Die Zeitschrift für Allgemeinmedizin empfiehlt, „um der Formalität Folge zu leisten“, eine Unterdosis des Impfstoffes, um dessen (allerdings ungefährliche) Nebenwirkungen abzuschwächen. Ein Stück weiter wagt sich laut Nachrichtenagentur Earthscan ein Arzt des internationalen Diarrhoe-Forschungszentrums in Bangladesh: Gegen die nutzlose Impfung helfe nur eins – Ärzte sollen einfach das geforderte Impfdokument fälschen. R. K.