Die Hansestadt ist ins Gerede gekommen. Sie leidet

Von Dieter Buhl

Hamburg, im Januar

Es fällt immer wieder schwer, von Klaus von Dohnanyi nicht beeindruckt zu sein. Als Politiker, bei dem Eleganz und Intelligenz sich so auffällig paaren, gebietet er beinahe automatisch Respekt. Als Regierungschef mit Selbstbewußtsein und Hang zur Arroganz gestattet er von vornherein keine Zweifel an seinen Führungsqualitäten. Doch lassen sich solche Zweifel gleichwohl nicht länger verdrängen. Gerade in diesen Tagen, da der Senats-Hausnalt verabschiedet wird und sich Hamburgs ganze Misere offenbart, richten sich kritische Blicke auf den Bürgermeister. Ob er den Ansprüchen genügte, die er selber oft genug stellte, fragen sich nunmehr nicht nur die Bürger der Hansestadt.

Ein deutliches Indiz seines Dilemmas lieferte Dohnanyi erst jüngst in einer programmatischen Rede. Er tat das, was die Mächtigen von alters her, aus Verzweiflung oder Hoffart, immer gern versucht haben: Er warnte vor schlechten Botschaften, mit dem Appell an die Wähler und an die lokale Presse, "den Standort Hamburgs nicht herunterzureden und herunterzuschreiben", weil es nicht gut sei, "wenn in erster Linie negative Nachrichten über unsere Stadt verbreitet werden".

Fruchten wird die Mahnung nichts. Die jähe Veränderung ihres Erscheinungsbildes läßt vielmehr vermuten, daß die Freie und Hansestadt Hamburg vorläufig erst einmal im Gerede bleibt. Denn sicher wird auch fernab von Alster und Bille interessieren, warum die eben noch strahlende Metropole sich plötzlich als Sorgenregion entpuppt, weshalb eine der lange Zeit reichsten Städte nun unter Geldsorgen ächzt.

Schon jetzt produziert die Ursachenforschung Fragen mit überregionalem Nachrichtenwert. Wird ihre Randlage der Hafenstadt wirtschaftlich zum Verhängnis? Ist sie ein unschuldiges Opfer des inzwischen notorischen Süd-Nord-Gefälles? Schlägt die Weltwirtschaftskrise in Hamburg besonders hohe Wellen? Tragen die ewig regierenden und für internen Streit bekannten Sozialdemokraten die Hauptverantwortung für den Niedergang? Oder hat, wie immer häufiger gemunkelt wird, vor allem der Erste Bürgermeister versagt, der bisher als Paradestück und gar als sozialdemokratischer Hoffnungsträger galt?