Sie haben zahllose Orden, türkische, griechische, was am Band, was am Hals, etcetera. Dies ist der größte Orden. Eine Münchner Gesellschaftsgruppe, die tiefernst ihren Humor betreibt, verleiht diesen Orden völlig freiwillig für völlig unfreiwillige Komik.

August Everding, Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, in seiner Laudatio auf Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, dem in der vergangenen Woche in München der Karl-Valentin-Orden verliehen wurde.

Konkret abstrakt

Hermann L. Gremliza, Konkret-Verleger und Erfinder der Möglichkeit, Artikel mit Tesäfilm zu schreiben statt mit Tinte, eine Karl-Kraus-Parodie in sich, ist wieder Alleinherrscher des von ihm 1974 übernommenen Konkret. Ende dieses Monats ist Ex-Stern-Chefredakteur und Ex-Senats-Sprecher Manfred Bissinger auch Ex-Konkret-Chefredakteur; sein Konzept einer journalistisch aufwendig, aggressiv-vielfältigen linken Illustrierten war offenbar zu teuer. Obwohl während seiner gut zweijährigen Regentschaft sich die Auflage verdreifachte und das hartnäckige Gerücht, Millionenerbe Jan Philipp Reemtsma sei einer der Finanziers des Blattes, nie dementiert wurde – machte das Blatt laut Bissinger pro Heft „zwischen 50 000 bis 80 000 Mark Verlust“. Gremliza, der für einen „Auskunftberuf“ auf lächerliche Weise jede Auskunft verweigert, hatte schon frühzeitig erklärt „Wenn die Rechnung nicht aufgeht... mache ich das Blatt mit einer Sekretärin zusammen wieder allein“. Die Chance hat er jetzt: Die gesamte Mannschaft – bis auf eine Redakteurin – hat das Blatt verlassen oder geht in diesen Wochen, und Thomas Brasch, dem der Kulturteil angetragen worden sein soll, dementiert energisch. Auch wenn die Lektüre von Konkret gelegentlich quälend peinlich war: Kein Grund zum Jubel, daß eine weitere linksstehende Zeitschrift in die farblose Unbeträchtlichkeit versinken wird; denn von allen Konkret-Schreibern ist Gremliza der abstrakteste, uninteressanteste – wer wird sich schon auf sein permanentes Zähneknirschen abonnieren? „Wißt ihr, warum ich Verleger bin?“ heißt einer seiner Merksprüche, „Weil mich sonst niemand drucken würde“. Wohl wahr.

Verleger-Karusell

Es wollte und wollte nicht verstummen, das Gerücht: Der ungewöhnlich brachiale Eingriff des Hoffmann und Campe-Verlegers Thomas Ganske, mit dem er Erich Kubys Buch „Der Fall ‚stern‘ und die Folgen“ aus dem Programm feuerte (in dem das Bertelsmann-Management in Sachen „Hitler“-Tagebücher stark belastet wurde – ZEIT Nr. 34/83), habe mit Verhandlungen zwischen Ganske und dem Gütersloher Konzern zu tun. Ganske ließ sich jetzt ein besonders apartes Dementi einfallen; Er engagierte als Berater „in allen verlegerischen und unternehmerischen Fragen“ Bertelsmanns Ex-Chefmanager Manfred Fischer. Dessen Gutachten zu des Herrn Kujaus Schriftstellerkunst bleibt unvergessen: „Es ist ein geradezu sinnliches Erlebnis, so ein Ding in der Hand zu haben.“ Dem Verlag wird neue Sinnlichkeit dringend not tun: Der wegen der Kuby-Affäre ausgeschiedene Verlagsleiter Hans-Helmut Rohling hat soeben (gemeinsam mit dem Druckereibesitzer und Tapetenhersteller Rasch) einen eigenen Verlag gegründet. Ende des Jahres beginnt HoCa-Sachbuch-Cheflektor Wolfgang Schuler bei ihm ab Programmlektor, und Spitzentitel im Programm des neuen Verlages wird Otto Waalkes „Zweites Buch Otto“ sein – 400 000 Exemplare hatte HoCa vom ersten Otto-Titel verkauft. Ob Röhrings neu-tapeziertes Haus bloß ein Otto-Versand wird oder ein gut konzipierter Sachbuchverlag, bleibt abzuwarten. Wenn man an Albrecht Knaus oder Wolf Jobst Siedler denkt, bleibt zu konstatieren: Köpfe, nicht Manager, machen einen Verlag attraktiv.