Vorsichtiger Pinochet

Aus Angst vor „Selbstmord-Kommandos“ hat das chilenische Militär die Moneda, den Regierungssitz, und Pinochets Präsidenten-Palast „besonders geschützt“. Die Maßnahmen entsprächen denen, die auch das Weiße Haus in Washington getroffen habe, heißt es halb entschuldigend, halb rechtfertigend. Mit anderen Worten: Man fürchtet den Kamikaze-Lastwagenfahrer mit der Sprengladung auf der Ladefläche. Wer „extremistischer Aktionen“ verdächtigt wird, soll künftig vor ein Militärgericht gestellt werden. Pinochet igelt sich wieder ein. Der demokratische Frühling des Jahres 1983 ist offenkundig vorbei.

Neue Spielregel

In Frankreich ist es das Sportereignis: Die alljährliche Rallye von Paris nach Dakar im Senegal wird in den Medien ausführlich kommentiert. Mit BMW-Motorrädern und im Porsche durch die afrikanische Wüste und die Hungergebiete zu brausen, hat wohl einen besonderen Reiz. Doch nach der dreizehnten Etappe von Touba nach Kissidougou meldete sich ein auf dem Gebiet des Motorsports gänzlich unerfahrener „Experte“ zu Wort: Monsignore Jean-Marie Lustiger, der allemal launige und wortgewandte Erzbischof von Paris, stahl im Fernsehen allen die Schau. Sein Vorschlag: Zur Rallye dürften nächstes Jahr ausschließlich Lastwagen antreten, die mit Nahrungsmitteln und Medikamenten vollbeladen seien. Gewinner sei dann jener Fahrer, der „in, kürzester Zeit an möglichst viele Leute möglichst viele Güter verteilt hat“.

Gerügt und befördert

Für die Massaker in den zwei Palästinenserlagern Sabra und Schatila ist er mitverantwortlich. Denn Brigadegeneral Arnos Yaron kommandierte im September 1982 die israelischen Truppen im Bereich von Beirut. Die israelische Untersuchungskommission kam zum Schluß, er habe damals „ihm zugegangene Informationen über die durch falangistische Einheiten verübten Massaker seinen Vorgesetzten nicht weitergeleitet“. Sie empfahl, es solle ihm „während drei Jahren kein Kommando übertragen werden“. Sie wurde überhört: Jetzt wurde Yaron vom Brigadegeneral zum Generalmajor befördert.

Büsinger Boykott

Unmut breitet sich aus in der kleinen deutschen Exklave Büsingen unweit von Schaffhausen am Rhein. Den 1130 Büsingern bringt es gewichtige Nachteile, in der teuren Schweiz und doch auf deutschem Territorium zu leben. Von der Schweiz haben sie die hohen Lebenskosten, von der Bundesrepublik die hohe Steuerbelastung. Jene Büsinger, die in der Schweiz arbeiten, müssen wegen des steigenden Frankenkurses immer mehr Steuern zahlen. Jene aber, die in der Bundesrepublik ihr Geld verdienen, sehen wegen des fallenden Kurses der D-Mark ihre Kaufkraft schwinden. Alle sind unzufrieden. So haben sich nun 369 empörte Büsinger zu einer „Bürgeraktion“ zusammengeschlossen und erst mal dem Bundesfinanzminister zu Bonn einen Brief geschrieben. Zwar sind alle Deutschen vor dem Gesetze gleich, doch mancher Büsinger hätte am liebsten einen Sonderwechselkurs: 1 Mark = 1 Schweizer Franken. Jedenfalls haben die Einwohner der Exklave ein „forscheres Vorgehen“ angekündigt: Sie erwägen einen Steuerboykott, aber auch die „Boykottierung der diesjährigen Landtagswahl“ in Baden-Württemberg.