Es gehört zur Routine der Banken, ihren Wertpapierkunden vorzuschlagen, auf Hauptversammlungen „im Sinne der Vorschläge der Verwaltung“ zu stimmen. Das wird zum Ärgernis, sobald die Kunden Dividendensenkungen oder -ausfälle schlucken müssen.

Um das Vollmachtstimmrecht der Banken, früher hieß es Depotstimmrecht, ist es in letzter Zeit still geworden. Niemand denkt zur Zeit daran, es zu ändern. Eine wirklich brauchbare Alternative zu dem jetzt geübten Verfahren ist bisher auch nicht aufgezeigt worden. Allerdings ist es teuer, denn vor jeder Hauptversammlung muß von den Banken an die Aktionäre ein Fragebogen verschickt werden, in dem sie zu jedem Tagesordnungspunkt sagen können, wie die Bank in ihrem Auftrag stimmen soll.

Der Fragebogen braucht nicht zurückgeschickt zu werden, falls der Aktionär dem von der Bank gemachten Stimmabgabevorschlag folgen will. Dann nimmt die Bank das Stimmrecht im Sinne ihrer Vorschläge wahr.

An dieser Prozedur gibt es kaum etwas auszusetzen. Kritik entzündet sich aber an den von den Banken unterbreiteten Stimmvorschlägen. So schrieb mir kürzlich ein Leser, daß er auf Vorschlag seiner Bank in den letzten Jahren Aktien mehrerer Unternehmen erworben hatte, die danach die Dividendenzahlungen einstellten. Gleichwohl sollte der Leser auf Vorschlag derselben Bank den Vorständen und Aufsichtsräten auf den Hauptversammlungen „Entlastung“ erteilen lassen. „Hackt einer Krähe der anderen kein Auge aus?“, ist die mißtrauische Frage dieses Lesers. Zornige Äußerungen gibt es zum Fall der MAN Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG. Zu Ihrer Erinnerung, meine verehrten Leser: Im Geschäftsjahr 1982/83 (30. 6.) ist bei der zum GHH-Bereich gehörenden Gesellschaft ein Betriebsverlust von 329 Millionen Mark entstanden. Er konnte durch „Sondermaßnahmen“ auf einen Fehlbetrag von 148 Millionen Mark in der Bilanz reduziert werden. An eine Dividendenzahlung ist unter diesen Umständen natürlich nicht zu denken.

Der Niedergang der MAN kommt nicht überraschend. Für das Geschäftsjahr 1981/82 waren an die Aktionäre nur noch vier statt der sonst üblichen sieben Mark ausgeschüttet worden. Diese Kürzung kam allerdings aus heiterem Himmel. Denn als der MAN-Vorstand im Februar 1982 zu einer Kapitalerhöhung im Verhältnis 5:1 zum Ausgabekurs von 120 Mark aufgerufen hatte, war von einer Dividendensenkung noch nicht die Rede gewesen. Früher galt eine Dividendenkürzung unmittelbar im Anschluß an eine Kapitalerhöhung als „Todsünde“. Heute sind die Sitten offenbar so verwildert, daß daran nur noch Aktionärsvereinigungen Anstoß zu nehmen pflegen. Banken schlagen ihren Kunden auch in solchen Fällen unverdrossen vor, Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung zu erteilen.

Dies mag in der Sache richtig sein. Denn gewiß sind nicht alle Risiken von vornherein übersehbar. Ich glaube, daß es in solchen Fällen angebracht ist, wenn den Kunden dargelegt wird, warum einer Verwaltung, die ihre Aktionäre enttäuscht hat, gleichwohl das Vertrauen ausgesprochen werden sollte.

Dies müßte besonders dann praktiziert werden, wenn gleichzeitig aus Kreisen der Aktionäre Opposition gegen die Vorschläge der Verwaltung angemeldet worden ist. Die Banken machen es sich zu einfach, ihren Kunden lediglich die Stellungnahne der von den Opponenten kritisierten Verwaltung mitzuteilen, sich dabei aber selbst sorgfältig jeder Meinungsäußerung enthalten.