Seine Kritik an einem Schweizer Chemiekonzern mußte Stanley Adams teuer bezahlen

Das Leben hat den 56jährigen Stanley Adams halt angefaßt, aber aufgegeben hat er nicht. Nach seinem Leidensweg durch Schweizer und italienische Gefängnisse ist der gebürtige Malteser von seinem Domizil in London aus nun erst recht entschlossen, seinen guten Namen wiederherzustellen, seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Schweizer Pharmakonzern Hoffmann-La Roche, und die Schweiz auf die Anklagebank zu ziehen und die EG-Kommission in Brüssel des fahrlässigen Bruchs der Vertraulichkeit zu überführen.

Der Mann, dessen Leben ruiniert wurde, weil er die EG-Kommission über illegale Kartell-Praktiken von Roche auf dem Vitaminmarkt informierte, bereitet mehrere gerichtliche Schritte vor, zugleich beginnt er eine Kampagne mit der Veröffentlichung seines Buches „Roche versus Adams“.

Es ist eine lange Leidensgeschichte, die Adams auf 228 Seiten erzählt. Wesentliche Einzelheiten daraus wurden schon in den Jahren 1975 bis 1981 bekannt. Die zusammenfassende Darstellung ist gleichwohl eindrucksvoll. Adams, der „whistleblower“, wie man solche Personen in Amerika und Großbritannien nennt, verpfeift illegale Geschäftspraktiken von Roche, gerät in die Fänge der Justiz, verliert seine Frau durch Selbstmord und zerbricht schließlich in der Mühle des industriell-politischen Komplexes.

Adams, der in den Bombennächten von Malta Churchill zu seinem „großen Helden“ erkor, studierte nach dem Krieg Wirtschaftswissenschaften in England, wo er sich für den Sozialisten Aneurin Bevan begeisterte. Der sprachbegabte Manager zog für mehrere Firmen durch Afrika, Südamerika und Südostasien, bis er schließlich 1964 von Roche für ein Monatssalär von 4500 Franken engagiert wurde. Der Basler Konzern schickte den jungvermählten Aufsteiger zum Aufbau des Vitamingeschäfts nach Venezuela, holte ihn dann aber in die Basler Zentrale zurück, wo er schließlich mit Prokura Manager für einen Teil des Vitamingeschäfts in der ganzen Welt wurde und Einblicke in die Manipulation der Märkte durch Hoffroche erhielt.

Adams hatte ein gutes Leben und er schätzte die fundierte Ausbildung bei Roche. Aber bald legte sich das Gewissen. Der „kalte Mißbrauch der Macht“ ließ ihn „zornig und unruhig“ werden. Er stieß sich an „der Arroganz von Roche“ und der „Unverschämtheit“ im Umgang mit Wettbewerbern. Was Roche in der Dritten Welt tat, harmonierte überhaupt nicht mit deren Interessen, wie Adams sie sah.

Er beschloß, Roche den Rücken zu kehren, schrieb aber vorher den Informationsbrief an die EG-Kommission in Brüssel, „aus Pflichtgefühl“ und ausdrücklich mit dem Hinweis, daß er weder ein Amt bei der Gemeinschaft anstrebe noch Kompensation haben wolle. Die Rechtfertigung für ihn war das 1972 abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EG und der Schweiz, das illegale Kartellpraktiken und mißbräuchliche Ausnutzung von Marktmacht untersagt. Der Abschied 1973 war „herzlich“. Roche „wünschte mir alles Gute für meine neue Karriere“.