Von Barbara Ungeheuer

New York

Wenn im „Studio 54“, der New Yorker Disco, die Preßluftbohrer innehalten, wenn die metallischen Erotik-Symbole das Blitzen und das Pulsieren lassen, wenn das Blaulicht auf den Schwaden aus kolumbianischem Rauch erlöscht und sich dann diese Stimme erhebt und fragt! „Where is My man?“ – dann füllt Eartha Kitt den Rockpalast ganz allein.

Die jungen Becken-Akrobaten, eben noch ins autogene Training vertieft, jubeln ihr zu, als wären sie die Kronzeugen einer Stargeburt. Eartha Kitt bringt noch einmal her, was sie schon bei den Vätern in den fünfziger Jahren zur Legende machte. Sie war und ist heute, fast 60jährig, noch immer ein Ausbund an Sinnlichkeit. Cat woman, die Katzenfrau, hat ihre Krallen zum Kratzen und Liebkosen aufbewahrt. Der Stil und die Diktion sind unveräußerlich Eartha, auch jetzt, wenn die Chansonniere ihre Stimme gegen deh hatten Rock-Beat aufzubieten hat. Hinter den zentimeterlangen Wimpern funkeln abwechselnd Eisblumen und Herzkirschen für den Mann, den sie sucht.

„Where ist my man?“ – mit ihrem neuen Plattentitel steht sie jetzt in den Hitparaden in Europa und in den USA wieder ganz oben. Ich treffe sie während der Proben zur Aufnahme einer neuen Langspielplatte in ihrem New Yorker Hotel. Am 8. Februar wird sie im Hamburger Macadam-Theater gastieren, dann Wird auch „Eartha Kitt: All by myself“ in deutschen Kinos angelaufen sein.

Das musikalische Filmporträt des in Berlin geborenen amerikanischen Regisseurs Christian Blackwood, dessen Kamera in 85 Minuten die Kunst der Eartha Kitt als Summe ihrer persönlichen Erfahrungen nachzeichnet, erleichtert dieser Frau die Begegnung mit jener Frau, die heute noch den Männern verspricht, was sie fühlen wollen, aber nicht auskosten sollen. Eartha Kitt, gute Fee männlicher Nostalgie nach der ewig weiblichen Verwundbarkeit?

Nun steht sie vor mir im schwarzen Nerz und mit der Restauranttasche für den Pudel, der sich schon darin duckt, wie es hier alle vierfüßigen Begleiter einsamer Frauen zu tun verstehen. Sie ist klein, drahtig und ebensosehr Vamp wie E. T., das außerirdische Rüttelmännchen mit den großen wimpernlosen Augen.