ARD, 29. Januar, 22.25 Uhr: "Abschied vom Zelluloid". Ein Film von Christian Bauer und Jörg Bundschuh

Trgendwann geht einem das Licht auf, daß es wurscht ist, auf was die Bilder aufgenommen werden." Dieser wurschtig formulierte Satz stammt von dem Filmregisseur Niklaus Schilling, und er enthält eine tatsächlich revolutionäre Feststellung: Das Zeitalter des Zelluloids ist zu Ende, Video kommt. Der langsame Tod des Kinos findet zwar schon seit geraumer Zeit statt, aber daß Filmregisseure, anstatt ihn aufzuhalten, sich zum; Leichenbestatter machen, daß ausgerechnet Schilling; der ein großer Ästhet und Liebhaber des alten Kinos war (etwa in seinem Film "Die Vertreibung aus dem Paradies", 1977), das Ende vom Lied singt, scheint fast ein Fall für einen Nachruf.

Schilling (und das ist Thema dieses Berichtes von Christian Bauer und Jörg Bundschuh) dreht seinen neuen Film "Die Frau ohne Körper" nicht mit herkömmlichen Filmkameras und auf Zelluloid, sondern er nutzt die neuen elektronischen Möglichkeiten, verwendet Videokamera, Monitor und Magnetbänder und läßt am Ende den Film, zum Zweck der Kinovorführung, auf Zelluloid im Format 35 mm umkopieren.

Das Ergebnis kann dieser Fernsehfilm natürlich nicht zeigen: Fernsehen bleibt Fernsehen, gestreiftes Geflimmer. Schilling zeigte sich sehr zufrieden, überrascht von der Bildqualität, und prophezeite, irgendwann werde man die Brillanz eines 70-mm-Films erreichen.

Die Vorzüge des Magnetband-Verfahrens liegen auf der Hand: Eine Stunde Zelluloidfilm kostet zehntausend Mark, eine Stunde Video dreihundert. Der Regisseur kann also beliebig oft eine Szene wiederholen lassen, und er kann, zusammen mit den Schauspielern, sofort auf dem Monitor die eben gedrehte Szene überprüfen, eine Möglichkeit, die den Perfektionisten Schilling begeistert. Das Zelluloid sei; auf dem Sterbebett, er, es habe nichts technisch Innovatives mehr. Sein Bedauern über das Ende des alten Kinos hält sich in Grenzen, so sehr fasziniert ihn das neue Medium. Der Film von Bauer und Bundschuh allerdings verkauft seine Botschaft schlecht. Er will alles und folglich zuviel: einerseits Bericht über die Dreharbeiten, andererseits Darstellung des technischen Sachverhalts, und jeder dieser Aspekte kommt zu kurz.

So richtet sich dieser Film vor allem an jene Insider, die wissen, was "35 mm" heißt, die Schillings Filme kennen und die mit den Worten "meine alte Arri" etwas anfangen können. Didaktisch ist er mißglückt, und das ist schade: denn der Tod des Kinos, verkündet von einem seiner alten Fans, ist schon eine Ereignis.

Ulrich Greiner