Von Isolde von Mersi

Flirrende Hitze lastet auf Assuan, der Nil schleppt sich müde dahin. Wie wir: erst Sonnenaufgang in Kairo, am Vormittag viermal überlebensgroß Ramses in Abu Simbel, und nun, kaum ist Mittag, stehen wir schon wieder woanders, am Schiffsanleger, schwitzend, erschöpft.

Es sind aber nur ein paar Schritte in die Kühle. Auf unserem Schiff, dem Sheraton-Nildampfer „Anni“, umfängt uns ein eisiger Hauch und Dämmerlicht. Klimaanlage, getönte Scheiben, schallschluckende Teppichböden – ganz plötzlich ist Ägypten weit weg. Wir nisten uns ein in einem luxuriösen Nirgendwo, spähen in stille Salons, in Boutique und Barber Shop, und inspizieren schließlich auch unser Quartier für die nächsten vier Nächte: kleine, aber komfortable Zweibett-Kabinen mit winziger Dusche, vielen Spiegeln, Lampen und, welch ein Glück, Blick auf den Nil.

Von außen gleicht die „Anni“ einem schwimmenden Schuhkarton. Die Sheraton-Dampfer – vier Stück kreuzen seit 1979/80 zwischen Assuan und Luxor oder Abydos – sind norwegische Spezialkonstruktionen, dem Nil direkt ins Flußbett gestylt. 72 Meter lang und 11 Meter breit, haben die Schiffe bei vier Decks plus Sonnenterrasse nur eineinhalb Meter Tiefgang.

Etwas mehr als 24 Stunden lang liegt die „Anni“ vor Assuan. Unser Besichtigungsprogramm ist beschaulich. Wir mieten eine „feluka“, eines der bauchigen Nil-Segelschiffe mit den hohen, geschwungenen Masten, und fahren zum westlichen Flußufer, um das Mausoleum des Aga Khan zu besuchen. Dann setzen wir zur Pflanzeninsel über, die auch „Kitchener Insel“ heißt nach dem britischen Feldmarschall Earl Horatio Herbert Kitchener, der Ende des 19. Jahrhunderts hier wohnte. Heute ist die Insel ein botanischer Garten, in dem Oleander und Jakaranden wuchern, Begonien und Bougainvillea. Bei der Rückfahrt zu unserem Hotel-Schiff ist es still auf der „feluka“.

Schweigend lenkt unser Bootsmann, ein Nubier, den Nachen an Inseln vorbei und an den sandverwehten Felsenbergen am Ufer. Ruhig gleiten wir im Wasser dahin, das die sinkende Sonne in tausend Farben taucht. Blau in der Ferne, am Bootsrand flaschengrün, silbern hier und rauchgrau dort, entführt uns der Strom in friedliche Gefilde, wo Träume von Gleichmut und Gelassenheit zu Hause sind.

Karli aus Wien verliert als erster die Fassung. Am Abend im Basar von Assuan läßt er sich – fasziniert vom abenteuerlichen Ambiente in den Frisierstuben und der lässigen Art der Barbiere – zu einer Haar-Schur von ägyptischer Hand hinreißen. Das Unternehmen endet fatal. Karli bedeckt sein Haupt fortan züchtig mit einem Burnus.