Hervorragend

Haindling: „Stilles Potpourri“. Alles, was durch Originalität Aufsehen erregt hat, wird durch seine Fortsetzung bedroht: Denn es ist schwer, übersättigte Ohren auf Dauer mit Appetithappen zu reizen, aber doch nicht unmöglich, wie Haindling beweist. Haindling, das ist das Dorf, in dem der Protagonist dieser Platte wohnt, der Saxophonist, Posaunist, Tasten- und Tubaspieler, Sänger, Sprecher, Musik- und Textbearbeiter, Komponist, Arrangeur, Tonmischer (und Töpfer mit bayrischem Staatspreis) Hans Jürgen Buchner und der mitwirkenden Ulrike Böglmüller. Es gelingt ihm, selbst absurden Sätzen einen Sinn zu unterstellen und zum Beispiel ein „Stilles Potpourri“ darzubieten, dessen ganzer Text „Du duasd mia so guad“ lautet; ihm gelingen Liebeslieder von elementarer Aufrichtigkeit und ein Sauflied von gespenstisch verfremdeter Zufriedenheit. Von einem „depperten Deppen“ ist die Rede, von einem („Hello Baby“) Mädchen sowie einem „Tschu-Tschu-Mann“, dem gesagt wird, „don’t knock on the bush“. Und aus einem „urbayrischen“ Wirtshaus hört man nicht nur eine witzige Flippermusik, sondern auch, was drei Hellseher unter Elektrogeigenklang verkünden: eine Persiflage, über die man nicht lacht. Die Musik läßt sich am ehesten durch das Instrumentarium beschreiben – Saxophon, Tuba, Posaune, Tenor-Horn und (Streicher-, Baß-) Synthesizer sowie (Sprech-) Gesang – aber auch durch die Play-back-Praxis, derzufolge Hans Jürgen Buchner (nebst einigen Mitspielern) seine Stimmen nacheinander zusammenbringt. Seine Klangregie hat Witz, und der ist manchmal hintergründig. Gottlob sind alle Texte gedruckt, gleichwohl: Nichtbayern eröffnen sie sich meist erst, wenn sie sie lesend hören (Polydor 817 502-1)

Manfred Sack

Hörenswert

Baldassare Galuppi: „Vier Concerti a quattro/Cembalo-Konzert/2 Symphonien“. Er wußte angeblich, was gute Musik ausmacht. Dem englischen Musik-Reisenden und -forscher Charles Burney diktierte er die Definition im August 1770 ins Tagebuch: Gute Musik besteht aus „Schönheit, Deutlichkeit und guter Melodie“. Nichtsdestoweniger sicherte er sich, wenn er komponierte, epigonal ab: Seine Concerti tragen den Vermerk „sul gusto di Corelli – im Geschmack von Corelli“. Andererseits verrät das Werkverzeichnis beachtliche Schaffenskraft: 91 Opern, 27 Oratorien, 51 Sonaten unter anderem. Paul Angerer und das English Chamber Orchestra lassen in dieser Aufnahme keinen Zweifel, daß das gute alte Kammerorchester und der schöne Wohlklang noch längst nicht vor dem Historisch-Kritischen zu kapitulieren haben. Das streicht sich munter und fröhlich durch die Tonleitern, gibt sich gemäßigt den Affekten hin und zeigt im übrigen, daß die „kommerzialisierteren“ englischen Musiker ebenso klangschön und vielleicht sogar präziser zu spielen in der Lage sind als ihre berühmteren italienischen Kollegen. (Claves D 8306)

Heinz Josef Herbort