Ausländer engagieren sich wieder stärker am deutschen Kapitalmarkt. Sie beginnen, in der Mark eine „aufwertungsverdächtige“ Währung zu sehen, auch wenn der Dollar-Kurs noch nicht eindeutig nach unten zeigt. Im Ausland hat Eindruck gemacht, daß es in der Bundesrepublik gelungen ist, die Neuverschuldung des Staates in den Griff zu bekommen.

Die Ausländer setzen bei ihren Neuengagements am Aktienmarkt sowohl auf einen weiteren Kurse anstieg der deutschen Spitzenwerte (Siemens, Deutsche Bank und die Titel der Großchemie) als auf ein Wiedererstarken der Mark, also auf Währungsgewinne. Die Währungsspekulation kommt auch dem Markt für DM-Auslandsanleihen zugute. Erstklassige Emittenten setzen hier Renditen durch, von denen die deutschen öffentlichen Hände vorerst nur träumen können. Für zehnjährige Anleihen werden teilweise Renditen geboten, die unter 7,50 Prozent liegen, Dagegen mußte die Hansestadt Hamburg bei ihrer neuen Anleihe noch eine Rendite von 8,36 Prozent bewilligen, mehr als der Bund für seine Silvester-Anleihe zu zahlen bereit war. Gleichwohl stieß die Hamburg-Emission noch nicht auf Begeisterung. Ein Grund dafür mag sein, daß sich die drei Großbanken für diese Emission aus dem Anleihe-Konsortium zurückgezogen haben – aus Protest gegen die Kürzung der Bonifikation.

Die größere Widerstandsfähigkeit am Rentenmarkt hat der Aktien-Hausse Rückendeckung gegeben. Sie wird nicht allein von Ausländern getragen, sondern mehr noch von inländischen Investoren und vor allem von der privaten Bankenkundschaft. Nichts wirbt mehr für die Aktie als steigende Kurse! Im Bereich der Standardaktien gibt es kaum Überhitzungserscheinungen. Dafür sorgen Tauschoperationen und ständige Gewinnrealisationen. K. W.