Was haben die Deutschen eigentlich mit ihrem Reinheitsgebot“, spöttelten italienische Zeitungen, als es vor kurzem um einheitliche EG-Vorschriften für den edlen Gerstensaft ging. Daß sich die Brauer zwischen München und Flensburg bei dem Gedanken schütteln, Bier könne auch noch aus etwas anderem als Wasser, Hopfen und vergorenem Gerstenmalz bestehen, können sie nicht begreifen.

In der Tat läßt sich ja auch aus Reisabfällen und Maisschnitzeln Bier machen. Hier und da in der EG geschieht das durchaus. Wenn man dem deutschen Gast das Ergebnis sehr eisgekühlt serviert, merkt er es nicht einmal.

Wehe aber, wenn es um Spaghetti geht. Da ist der Spaß südlich des Brenners zu Ende. Als die Absicht deutscher Nudelhersteller kundwurde, Teigwaren nach Italien zu exportieren, wurde sofort das Tischtuch der Europäischen Gemeinschaft zerschnitten: Rom verbot Spaghetti-Importe aus Deutschland.

Die Italiener begründen ihre Abstinenz damit, daß nach heimischen Vorschriften Nudeln aus Hartweizen und frischen Zutaten zu bestehen haben. Deutsche Eierspätzle und Spaghetti können dagegen aus einer Mischung von Hart- und Weichweizen mit Trockeneizusatz entstehen.

Jetzt fordert der Verband deutscher Nudelhersteller, Bonn solle beim Europäischen Gerichtshof Klage einreichen. Wenn Mütterchen EG den Italienern mit dem Nudelholz droht, so meinen sie, würde man in Rom schon einsichtig.

Bedenkt man, daß in jedem dritten deutschen Kochtopf schon jetzt Spaghetti brodeln, die ans einer rot-weiß-grünen Packung stammen, dann hängt dieser italienische Erfolg gewiß auch mit der Qualität der südlichen Nationalspeise zusammen. Wenn sich nun die deutschen Nudelhersteller diese Standards zu eigen machten und pure Hartweizen-Spätzle und -Nudeln, mit Eiern von fröhlichen Hühnern aus deutschen Landen frisch auf den Tisch brächten, das müßte doch dem verwöhntesten römischen Pasta-Fan den Gaumen kitzeln! Gegen solche Importe könnte sich Rom nicht sperren, weiß doch der Autor von einem Griechen, der es fertig brachte, nicht Eulen, sondern Nudeln von Athen nach Mailand zu tragen – und dort im Großhandel abzusetzen.

Nachdem die Italiener schon Vollkornbrot aus Münster kennen, Schwarzwälder Schinken darauf nicht verachten und dazu noch gern einen deutschen Magenbitter heben, könnte die EG (Eß-Gemeinschaft) wieder ein Stückchen weiterkommen. Friedhelm Gröteke