Zur Kunst der Politik gehört auch die richtige Antwort auf Fragen. Bei lästigen, aber relativ ungefährlichen Fragen empfiehlt sich hinhaltende Unverbindlichkeit: „Ich habe eben dargelegt, daß sich dieses Bemühen durch die Einsetzung von Gremien und deren Betätigung vollzieht und daß Ergebnisse in Kürze erwartet werden. Worte des Staatssekretärs Voss auf die Frage, was gegen die Lärmbelästigung der Anwohner des Übungsplatzes Grafenwöhr unternommen werde.

Nicht nur Gremien, auch Prinzipien liefern eine weiche Auffangposition: „In all diesen Bereichen muß nach Lösungen gesucht werden, die dem Sicherheitsinteresse dienen, die praktikabel sind und die von allen Beteiligten getragen werden.“ (Staatssekretär Grüner auf die Frage, in welchem Maß die Ausfuhr westlicher Technologie in den Ostblock überwacht werden soll.) Alles klar?

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In Sachen Kießling preschten nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ in der Aktuellen Stunde vier Hinterbänkler der Union nach vom, um dem Minister jene Schützenhilfe zu gewähren, für die sich die Prominenz zu schade war. Das politische Debakel wurde zur staatstragenden Aktion: Was hätte geschehen können, wenn der Minister nicht oder zu spät entschieden hätte? „Ich möchte nur an den Spionagefall Guillaume erinnern.“

Die stümperhaften Ermittlungen im Kölner Milieu und deren fahrlässige Verwertung – ein Tatbestand, der Regierungssprecher Boenisch zu dem denkwürdigen Satz veranlaßte, der MAD „soll nur den Feinden der Republik schaden und nicht auch der Republik und ihren Ministern“? Keine Rede davon. Statt dessen wird von „sorgfältigen Recherchen“ und „subtilen Ermittlungen“ der Kriminalpolizei gesprochen, die von Amts wegen zunächst gar nicht eingeschaltet war.

Der Minister gerät zur Legendenfigur: entscheidungsstark für die Sicherheit und im Umgang mit dem General von „vornehmer Zurückhaltung“. Und in just jener „Vornehmheit“, die seit Wochen die Behandlung dieses Falls auszeichnet, werden zur selben Stunde weiter Andeutungen gegen General Kießling verbreitet: Hat der General nicht einen merkwürdigen Satz gesagt, der einem Schuldgeständnis gleicht? Warum hat der General für seine Berlin-Reise einen BND-Ausweis beantragt? Es wäre doch gelacht, wenn da nichts hängenbliebe!

Während freilich die Redner der Fraktion noch auf vorgeschobenem Posten kämpften, wurde anderenorts schon der geordnete Rückzug geplant: Der MAD ist inzwischen zur Kritik freigegeben, und mit dem General, der in der Debatte noch mit Verdächtigungen überzogen wurde, trifft sich der Minister. Wer da noch weiter fragt, wie etwa die Opposition, macht sich nur zum „Handlanger einer Kampagne gegen die Bundeswehr“.