Rekordumsätze und Rekordkurse bestimmen zur Zeit das Bild der deutschen Aktienmärkte. Das Spekulationsfieber wächst. Neuerdings finden auch Papiere dividendenloser Unternehmen immer mehr Liebhaber.

Das Interesse der Bankkunden an Aktien wächst. Das beweist die Vielzahl der Kaufaufträge, die in diesen Tagen an Banken und Sparkassen herangetragen werden. Nicht selten fehlt für eingehende Beratungsgespräche die Zeit. Um so mehr verlassen sich die Aktienkäufer auf die von zahlreichen „Informationsdiensten“ verkauften Tips.

Ist die Hausse damit in ihre heiße Phase getreten? Manche Banken meinen das und raten ihrer Kundschaft zur Zurückhaltung, besonders vor Aktien solcher Gesellschaften, die noch nicht zu einer soliden Ertragskraft zurückgefunden haben.

Daß solche und ähnliche Warnungen zur Zeit nicht akzeptiert werden, läßt sich an den steigenden Kursen bisher dividendenlos gebliebener Papiere ablesen. Meist haben sie den Vorteil, daß ihre Kurse zumindest optisch niedrig sind und daher Kurssteigerungen von wenigen Mark prozentual hohen Gewinn versprechen.

Unbestreitbar ist, daß mit den sogenannten Nonvaleurs in den vergangenen Monaten das beste Geschäft zu machen war. So hat sich der AEG-Kurs seit seinem Tiefststand im vergangenen Jahr bis heute um fast 250 Prozent erhöht! Und er scheint noch weiter zu steigen. Wo lassen sich heute ähnliche Gewinne erzielen – und zudem noch steuerfrei, wenn die sechsmonatige Sperrfrist abgewartet wird?

Es überrascht deshalb nicht, wenn die Gutverdiener, die bisher ihr Geld in sogenannte Abschreibungsobjekte gesteckt haben (um Steuern zu sparen), sich zunehmend der Aktienspekulation zuwenden.

Der Fall AEG-Telefunken macht deutlich, daß auf dem Aktienmarkt für dividendenlose Unternehmen ein hohes Maß an Erwartungseuphorie herrscht. Sie wird unterstützt dadurch, daß der im Vergleich befindliche Konzern neuerdings eine sehr moderate Publizität betreibt. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, als beinahe täglich Erfolgsnachrichten hinausposaunt wurden, die allerdings die spätere Insolvenz nicht verhindern konnten.