München

Die Bände sind fraglos amüsant und haben viele politische Anspielungen, aber es liegt hier eine wirtschaftlich bedeutende Nutzung des Namens vor, wie die hohen Auflagen und die neue Taschenbuchausgabe einwandfrei beweisen. Wirtschaftliche Nutzungen sind jedoch stets honoraipflichtig.“

Also schrieb Marianne Strauß einen Tag vor VerlagDer lebt nämlich schon seit Jahren von der wirtschaftlichen Ausbeutung des bayerischen von – Dieter Hanitzsch veröffentlicht. Mehr als 100 000 beträgt mittlerweile die Auflage der drei

Bände des bayerischen TV-Journalisten und Karikaturisten über Herrn Strauß. Und jetzt reichte es seiner, Frau Marianne, einer diplomierten Volkswirtin: „Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie das Honorar für die Abrechnungszeiträume 1981 mit 1983 in Höhe von 15 Prozent überweisen würden.“

Der Verlag holte ein Gutachten ein, Hanitzsch „wollte es zuerst gar nicht glauben“, und die Kabarettisten Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt ernteten ebenfalls zunächst nur ungläubiges Erstaunen, als sie den Brief in ihrem neuen Programm „München leuchtet“ in den Kammerspielen einfach vorlasen. War das ernstgemeint? Verständnis für die First Lady des Freistaats brachte Hildebrandt auf: „Sicher hat sie nach den Weihnachtseinkäufen beim Christbaumschmücken Angst um ihre Barschaft bekommen.“ Reich könnte Frau Strauß werden, „wenn alle Kabarettisten für alle FJS-Pointen je 15 Prozent abführen würden“. Einen Abschlag von drei Prozent hielt dagegen Polt für angemessen, „da der Name nicht mehr strahlend und neu, sondern schon gebraucht“ sei.

Unterschiedlich reagierten Hanitzsch’ zeichnende Kollegen. SZ-Karikaturist Ernst Maria Lang war zuerst „ganz sprachlos“, dann meinte er, es sei „zwar bekannt, daß die Geilheit, vor allem aufs Geld, weit verbreitet ist. Daß aber auch die Landesmutter davon befallen ist“, sei doch „höchst interessant“. „Ironimus“, der Wiener Professor Gustav Peichl, „beneidet die Münchner um den herrlichen Faschingsscherz“. Gabor Benedek: „Ich wäre mit der Regelung einverstanden. Die Aussicht auf höhere Gewinne aus der Vermarktung als Witzfigur müßte doch jeden Politiker zu entsprechenden Taten anspornen.“ Er habe bereits „Abbuchungsaufträge für Nancy Reagan, Madame Mitterrand und Mister Thatcher erteilt“. Und Luis Murschetz stellt fest, da „Politiker über die Karikatur unsterblich werden, versucht’s jetzt halt auch eine Politiker-Frau“. Bei diesem Verlag werde Frau Strauß aber wohl „auf Granit beißen“.

Dort, so die Antwort des Verlags an Frau Strauß, sieht man in der Tat keinen Anlaß zur „Remuneration des Herrn Ministerpräsidenten“. Das beigelegte Gutachten des Stuttgarter Urheberrechtsexperten Ferdinand Sieger belegt: Tantiemen wären nur fällig, wenn die Abbildung einer „Persönlichkeit der Zeitgeschichte“ etwa zur Werbung für eine Ware ausgenutzt werde. Karikaturen aber gehörten nun einmal zum grundgesetzlich gesicherten Raum der Meinungsfreiheit, „die gegen Einbrüche zu bewahren nicht nur der bayerische Herr Ministerpräsident, sondern auch ein bayerischer Verlag wie der Ihre aufgerufen sind“.

Frau Strauß, die ihren Alleingang gegen die öffentliche Zurschaustellung und Vermarktung ihres Mannes zunächst „bis nach Karlsruhe“ führen wollte, bittet jetzt um Verständnis. Tausende von Hanitzsch-Büchern bekomme Franz Josef Strauß, gerade vor Weihnachten, mit der Bitte um eine Signatur zugeschickt. „Große Schmerzen“ habe er deswegen im rechten Arm gehabt. Dem Autor Hanitzsch schrieb er einst „Herzliche Grüße vom Arbeitgeber ohne Dividende“ als Widmung hinein. Und dafür müsse doch „einmal eine Anerkennung fällig sein“. Jetzt solle der Streit „auf menschlichem Weg gelöst“ werden, sie warte auf eine Geste, etwa eine Spende für die von ihr geleitete Multiple-Sklerose-Gesellschaft. Am Fuße ihres Briefes allerdings hatte sie vermerkt: „Honorarkonto Franz Josef Strauß, Nr. 2157 600 bei der Deutschen Bank München.“ Dietrich Kühnel