Auch ein so selbstbewußter Politiker wie Christian Schwarz-Schilling kann für die ungebetenen Gäste in seinem Haus keine Sympathien aufbringen – und das ist verständlich: Im Postministerium an der Bonner Adenauerallee filzen nämlich derzeit penible Prüfer des Bundesrechnungshofes Aktenordner, um herauszufinden, ob Minister Schwarz-Schilling Mist gebaut hat oder nicht.

Sollte sich der Prüferdaumen senken, hätte die Kohl-Regierung, die noch nicht einmal ein volles Jahr im Amt ist, mit Schwarz-Schilling zumindest ihren dritten angeschlagenen Minister – nach dem Flick-geschädigten Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und dem Verteidigungminister Manfred Wörner, der bei der Entlassung des Vier-Sterne-Generals Günter Kießling unerwartete Schwächen offenbarte.

Gut möglich auch, daß Kanzler Helmut Kohl dann den Postminister allein oder bei einer von den Vorfällen um Wörner und Lambsdorff schließlich doch nicht mehr zu vermeidenden Umbildung der Regierung gleich mit aus der Regierung kippt. Höhere Beamte im Postministerium sind sich da sogar sicher: „Wenn die Leute vom Bundesrechnungshof zu einem negativen Fazit kommen, wird Schwarz-Schilling das als Minister nicht überleben.“

Die obersten deutschen Zahlenkontrolleure haben ihren heiklen Auftrag vom Haushaltsausschuß des Bundestages erhalten. Bis März sollen sie sich ein hieb- und stichfestes Urteil bilden, wie rentabel oder verlustreich des CDU-Ministers Lieblingsprojekt ist: die Verkabelung der Republik mit fingerdicken Kupferadern.

Möglichst jedes Haus zwischen Flensburg und Friedrichshafen möchte Schwarz-Schilling an das Kupferkabel anschließen, um darüber TV- und Rundfunkprogramme zum Bürger zu transportieren – für mehr als das sind die Kabel nicht gedacht.

Jährlich eine runde Milliarde Mark hat Schwarz-Schilling allein für diesen Zweck in den Post-Etats der Zukunft reserviert, 840 Millionen Mark – mehr war wegen Engpässen in der Planung nicht drin – sind 1983 schon ausgegeben worden.

Ob diese Riesensummen – für das vollständige Kabelnetz rechnet der Minister mit „zwanzig bis dreißig Milliarden Mark“ – jemals wieder in die Postkassen zurückfließen werden, ist aber höchst ungewiß. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Medienexperte Peter Paterna bezeichnete die Kabelpläne Schwarz-Schillings am vergangenen Wochenende als ein „Milliaraengrab, daß die Bundespost langfristig finanziell nicht verkraftet“.