DIE ZEIT

Entgeistert

Bis zu 6000 Menschen kann der Metallbau fassen, den Präsident Mitterrand diesen Monat an der Porte de Pantin eröffnete: "Le Zenith" – der neue Pariser Rock-Palast; er ist, auf dem ehemaligen Schlachthofgelände von La Villette und in der Nachbarschaft des geplanten Museums für Wissenschaft und Technik, Teil der kulturell ehrgeizigen Großpläne der sozialistischen Regierung.

Erster Riegel

Die Obrigkeit hat es heute schwerer als ehedem, Bürger am Gebrauch verbriefter Rechte zu hindern. Oft läßt sich der erwünschte Abschreckungseffekt erst im nachhinein erreichen.

Gefährliches Erbe

Die Wirklichkeit holt die Politik nirgendwo schneller ein als im Umweltschutz. Erst seit die Wälder sichtbar sterben, wird Entschlossenheit demonstriert und energisches Handeln versprochen.

Zur Ehrenrettung der Skandale

Im Umgang mit Skandalen sind die Deutschen seit jeher unsicher. In den Augen vieler Zeitgenossen stören die öffentlichen Ärgernisse bloß Ruhe und Ordnung; erschrocken verfluchen sie jene, die den Dreck ans Tageslicht zerren.

Reisegepäck

Nach elf Jahren reist mit Helmut Kohl wieder ein deutscher Bundeskanzler nach Israel – der Vertreter eines Landes, dessen Name und dessen Geschichte untrennbar verbunden bleiben mit dem Mord am jüdischen Volk.

Worte der Woche

"Ich habe versucht, unserem Staat, unserer Armee und unseren Verbündeten das Schauspiel zu ersparen, das nun seit dem 4. Januar nach den ersten Presseveröffentlichungen über uns hereingebrochen ist – ohne mein Zutun.

Zeitspiegel

Die Bundesregierung hat den früheren Justizminister Richard Jaeger, einst Verfechter der Todesstrafe und von Herbert Wehner zum "Kopf-ab-Jaeger" gemacht, als Vertreter der Bundesrepublik in die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen benannt.

Kohl auf dem Prüfstand

Etwas neidisch wird in der Regierungszentrale beobachtet, wie Günter Kießling seine Sache vertritt. Der General illuminiere sich zwar, heißt es, aber er verstehe doch auch sein Handwerk, nämlich Angriff und Verteidigung, Strategie und Taktik.

Die Fritsch-Krise war ganz anders

Wer die Machtergreifung Hitlers bewußt in allen Phasen miterlebt hat, der kann sich nur wundern, daß derzeit immer wieder eine Parallele vom Fall Kießling zur Fritsch-Krise im Jahr 1938 gezogen wird.

Wolfgang Ebert: Vom Hörensagen

"Wissen Sie, was geschähe, wenn etwa bekannt würde, daß Stoltenberg an der Kieler Förde einen Doppelmord begangen hat?" – "Nein, was?" – "Nichts! Kohl kann auf ihn nicht verzichten, sonst hat er Strauß am Hals.

Frankreichs Europa-Präsidentschaft: Wo bleiben die Visionen?

Der Satz, mit dem Außenminister Claude Cheysson vor dem Straßburger Europaparlament die Rede schloß, die den Auftakt zu Frankreichs sechsmonatiger EG-Präsidentschaft bilden sollte, klang fast wie ein Glaubensbekenntnis: "1984 muß das Jahr Europas werden.

Ben Witter: Angetippt

Entspringt sein Liberalismus der Menschenverachtung? Läßt er schließlich jede Meinung bloß deshalb gelten, weil er keine eigene hat? Und falls er jemand seine Meinung sagt, warum fürchtet er dann gleich, zu weit zu gehen und begnügt sich damit, seine Meinung nur zu äußern? Immerhin, von Autos, Wertarbeit, Zuverlässigkeit – Treue gehört noch dazu – hat er eine eigene Meinung.

BONNER BÜHNE: Fragen und Antworten

Zur Kunst der Politik gehört auch die richtige Antwort auf Fragen. Bei lästigen, aber relativ ungefährlichen Fragen empfiehlt sich hinhaltende Unverbindlichkeit: "Ich habe eben dargelegt, daß sich dieses Bemühen durch die Einsetzung von Gremien und deren Betätigung vollzieht und daß Ergebnisse in Kürze erwartet werden.

Politiker ohne Divisionen

Die weitere Aufstellung von Atomwaffen einzufrieren, wenigstens für ein Jahr, in dem ein neues Gesprächsklima entstehen könnte – diesem Vorschlag stimmten letzten Sonntag in Rom zwei prominente Spezialisten zu, ein Amerikaner und ein Sowjetrusse.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Der Streit um den Beagle-Kanal zwischen Argentinien und Chile ist durch Vermittlung des Vatikans beigelegt worden. In Rom unterzeichneten die Außenminister der beiden südamerikanischen Staaten eine "Erklärung über Frieden und Freundschaft".

Islamischer Gipfel: Einladung an Kairo

Die Islamische Gipfelkonferenz in Casablanca hat Ägypten zur Rückkehr in die arabische Staatengemeinschaft eingeladen. Der Erfolg der Ägypter wurde allerdings von den schweren Unruhen im Gastgeberland Marokko überschattet.

Jugendstrafverfahren: Keine "Knackis"

Aufmerksam hören die elf Jugendlichen in der Jugendverkehrsschule in Marl dem Verkehrserzieher zu. Soeben erklärt er, daß die Bremsauflagefläche beim Moped 120 Quadratzentimeter beträgt, beim Mofa aber nur 40 Quadratzentimeter.

Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Der Anfang und die Folgen

Ein "Traumland der Waffenstillstandsperiode": Das Bild gilt der Nachkriegszeit. Es ist freilich die erste deutsche Nachkriegszeit, der dieses nachdenkliche Etikett aufgedrückt worden ist; es findet sich in den "Spektator-Briefen", mit denen der Theologe und Philosoph Ernst Troeltsch 1918/19 das Ende des Kaiserreichs und den Versuch, eine Demokratie zu errichten, begleitete.

Ein lohnendes Opfer

Wenn es um die Jugend geht, dann sind Politiker, Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter selten um schöne Worte und hehre Bekenntnisse verlegen.

Im Kabel verfangen

Christian Schwarz-Schilling könnte zum dritten Krisenminister des Kabinetts werden

Bank-Gebühren: Falscher Alarm

Bank-Gebühren sind jedesmal ein willkommen ner Anlaß, sich aufzuregen. Deshalb kann nicht verwundern, daß die Anhebung der Jahresgebühr bei Eurocheque-Karten von fünf auf zehn Mark bei einigen Großbanken jetzt die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher auf den Plan ruft, In aller Stille, so klagen die Verbraucher Schützer, werde den Kunden hier mehr Geld abgenommen.

Bauförderung: Späte Einsicht

Der Wendeeuphorie im Herbst 1982 mußten schnell Taten folgen. Greifbares ließ sich besonders publikumswirksam im Wohnungsbau bewerkstelligen.

Gesundheitswesen: Neue Töne

Schlimmes passiert in deutschen Landen. Da kommen doch tatsächlich Ökonomen, die sich erdreisten, das Gesundheitswesen unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten.

Bonner Kulisse

Das erste Vorauspaket für die noch an Ungewisse Steuerreform haben Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenbergs Bepackt – es ist kaum zu erwarten, daß sich der Staat bei dem nur in einem Gesetzentwurf konkretisierten Freibetrag für alleinerziehende Elternteile übernehmen wird.

Pharma-Industrie: Allein gegen den Multi

Das Leben hat den 56jährigen Stanley Adams halt angefaßt, aber aufgegeben hat er nicht. Nach seinem Leidensweg durch Schweizer und italienische Gefängnisse ist der gebürtige Malteser von seinem Domizil in London aus nun erst recht entschlossen, seinen guten Namen wiederherzustellen, seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Schweizer Pharmakonzern Hoffmann-La Roche, und die Schweiz auf die Anklagebank zu ziehen und die EG-Kommission in Brüssel des fahrlässigen Bruchs der Vertraulichkeit zu überführen.

Atomkraftwerk Ohu II: Ein teurer Richterspruch

Bei einem Empfang im Antiquarium der Münchner Residenz sinnierte Jaumann, was diese juristische Entscheidung die Betreiber und damit letztlich die Stromverbraucher im weiß-blauen Freistaat im teuersten Fall kosten könnte: zwei Milliarden Mark.

Börsen-Report: Dollar-Hoffnungen

Ausländer engagieren sich wieder stärker am deutschen Kapitalmarkt. Sie beginnen, in der Mark eine "aufwertungsverdächtige" Währung zu sehen, auch wenn der Dollar-Kurs noch nicht eindeutig nach unten zeigt.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Weg an die Spitze der Robert Bosch GmbH in Stuttgart ist für Marcus Bierich, 57, den bisherigen Finanzchef der Allianz-Versicherungsgruppe, nun frei.

Nichts Konkretes

Däubler-Gmelin: Kaum. Und wir sind mit dieser Antwort auch nur sehr bedingt zufrieden. Die Antwort auf eine Fülle unserer Fragen ist unvollständig, auf tatsächlich drängende Fragen wurde ebensowenig eingegangen wie auf zukünftige.

ZEITRAFFER

Im vergangenen Jahr mußten über 4000 Familien ihr eigenes Heim verlassen, weil sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren.

Wenn die Köpfe rollen

Was das Attentat von Sarajewo für den Ersten Weltkrieg war, war eine Handelsblatt-Meldung für die Westdeutsche Landesbank (WestLB).

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