Die Islamische Gipfelkonferenz in Casablanca hat Ägypten zur Rückkehr in die arabische Staatengemeinschaft eingeladen. Der Erfolg der Ägypter wurde allerdings von den schweren Unruhen im Gastgeberland Marokko überschattet.

Viel deutlicher als in der Arabischen Liga geben in der Islamischen Konferenz (ICO) die Islamischen zugeneigten Staaten den Ton an: Indonesien, Pakistan, Bangladesch, Guinea und der Senegal sind zuverlässige Verbündete der konservativen arabischen Ölmonarchen.

Saudi-Arabien, Jordanien und der von Arafat geführte Mehrheitsflügel der PLO hatten darum ein ideales Forum für ihr Vorhaben, Ägypten zu rehabilitieren. Hosni Ägypten hat die in arabischen Augen schwersten Hypotheken aus dem Erbe Sadats abgebaut: aus dem israelischen Einmarsch im Libanon gibt es keinen ägyptischen Botschafter in Tel Aviv mehr, die Botschafter zwischen den Regierungen in Kairo und Jerusalem sind auf ein Minimum zurückgegangen.

Der jordanische König Hussein und der Palästinenser Arafat brauchen Mubarak zur Absicherung ihrer gemeinsamen diplomatischen Pläne gegenüber den USA. Denn. nur mit amerikanischer und ägyptischer Unterstützung hätte ihre geplante Initiative zur Rückgewinnung des Westjordanlandes eine Chance

Für Mubarak ist der Beschluß der ICO ein kleiner Schritt zur Rückkehr ins arabische Lager: Über de Modalitäten soll ein Dreiergremium aus Vertretern der nichtarabischen, proägyptischen Konferenzstaaten Guinea und Pakistan und des arabischen Intimgegstan Syrien befinden. Die Wiederaufnahme in die ans Prinzip der Einstimmigkeit gebundene Arabische Liga dagegen könnte immer noch an Widerstand der Syrer, Linoch Südjemeniten und Algerier scheitern.

Der eigentliche Sieger von Casablanca war jedoch Jassir Arafat. Mehr war je ein König ohne Land, amtierte der Palästinenser als Vizepräsident der Konferenz und schien trotz seines militärischen Scheitems diplomatisch stärker als vor der Debakeln von Beirut und Tripoli. Die Konferenz bekräftigte ganz in seinem Sinn die Forderung nach einem Palästinenserstaat in den von Israel zu räumenden Gebieten. In der Sache bleibt die gesamtislamische Position im Nahostkonflikt dennoch weit von den israelischen Angeboten entfernt.

König Hassan von Marokko – wollte las Ende der Konferenz als prestigesteigernden Sieg feiern. Der König rühmte den ägyptischen Präsidenten Mubarak, der ihm schon vor einiger Zeit gesagt habe, das Camp-David-Abkommen mit Israel sei „tot“. (1977 – das ist inzwischen bekannt – war es Hassan selbst, der die Kontakte zwischen Mubaraks Vorgänger Sadat und Israel anknüpfen half, die nach Camp David führten.) Ägypten sei überdies formell immer Mitglied der ICO geblieben.

Am letzten Tage der Konferenz zogen Tausende von Menschen in Marokko auf die Straße, nicht für oder gegen die Nahost-Beschlüsse der Regierungen, sondern gegen Preiserhöhungen bei den Grund-Preiserhöhungen ganz nach dem Vorbild der tunesischen Unruhen vor drei Wochen. Polizei und Militär gingen rücksichtslos gegen die Demonstranten vor. Zahlreiche Menschen starben – zwischen 60 und 150 wird die Zahl der Toten geschätzt –, und der König mußte öffentlich die Preiserhöhungen zurücknehmen. Zugleich drohte er mit noch härteren Polizeimaßnahmen und verdächtigte „marxistisch-leninistische“, „chomeinistische“ und „zionistische“ Drahtzieher. Einer der ausländischen Journalisten notierte dazu den verbitterten Kommentar eines arbeitslosen Marokkaners: „Das alles gibt es hier nicht. Wir haben nur Hunger.“ HJG