Schlimmes passiert in deutschen Landen. Da kommen doch tatsächlich Ökonomen, die sich erdreisten, das Gesundheitswesen unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Dabei stellen sie hehre und althergebrachte Grundsätze und Verfahren in Frage wie die Krankenhausbedarfsplanung durch Bürokraten, das Kostenerstattungsprinzip und die Monopolisierung zahlreicher Leistungen durch Ärzte, Apotheker und andere Herren im weißen Kittel

Aber es kommt noch viel schlimmer: Die Wirtschaftswissenschaftler, die sich mit dem neuen Fach „Gesundheitsökonomie“ befassen, bedienen sich auch eines respektlosen – um nicht zu sagen vulgären – Vokabulars. Sie sprechen von Kunden statt von Patienten, die sich nicht in die Obhut eines Arztes oder in die Pflege eines Krankenhauses begeben, sondern schlicht Gesundheit kaufen wollen. Umgekehrt betrachten sie Ärzte und Zahnmediziner nicht ehrfürchtig als barmherzige Samariter, die sich entsagungsvoll ihrem Dienst widmen, sondern als Verkäufer von Dienstleistungen, die damit vor allem Geld verdienen wollen.

So schnoddrig das alles klingt, so notwendig ist es auch. Das Gesundheitswesen ist finanziell krank. Alle chirurgischen Eingriffe der letzten Jahre haben allenfalls Auswüchse beseitigen können. Eine Heilung kann nur gelingen, wenn die in unserem Gesundheitssystem institutionalisierte Fehlsteuerung von Angebot und Nachfrage beseitigt wird, wenn Klinik-Manager, Ärzte und Patienten nicht länger für ökonomisch falsches Verhalten belohnt werden. Über die Möglichkeiten, das unrationelle und zur Vergeudung ermunternde Gesundheitswesen auf eine vernünftige Grundlage zu stellen, denken die neuen Gesundheitsökonomen nach. Und damit sie richtig denken können, ersetzen sie einige der falschen oder gar verlogenen Begriffe, die sich in diesem Bereich eingebürgert haben, durch schlichtere Worte – zum Beispiel indem sie auch mal Kunde statt Patient sagen. mj