Wer eine Reisegepäck-Versicherung abschließt, darf seine Koffer nicht selig in Sicherheit wähnen. Manche Vertragsbedingungen schränken die Ansprüche der Versicherten ein.

Nicht einmal auf das scheinbar Selbstverständliche ist mehr Verlaß. Denn die Utensilien, die einer in Rucksack oder Ranzen schnürt, wenn er auf Reisen geht, werden von den Versicherungen neuerdings nicht mehr in jedem Fall als Reisegepäck anerkannt.

Diese befremdliche Erfahrung machte ein Urlauber, der zunächst mit seinem Wagen zu einem Bekanntenbesuch nach Berlin gefahren war, und von dort aus dann für drei Wochen nach England weiterreiste. Auto und Gepäck blieben derweil in einer Tiefgarage – doch als der Mann zurückkehrte, waren die Koffer aus dem Wagen gestohlen.

Das Landgericht Bielefeld gab der Versicherungsgesellschaft recht, die sich weigerte, ihrem Kunden den Schaden zu ersetzen. Es begründete sein Urteil so: Wenn jemand seine Habseligkeiten unterwegs für längere Zeit an einem Ort deponiert, der Ausgangspunkt ist für eine zweite, von der ersten völlig unabhängigen Reise, dann verlieren die zurückgelassenen Sachen im versicherungsrechtlichen Sinn ihre Eigenschaft als Reisegepäck – auch dann, wenn der Aufbewahrungsort nicht der ständige Aufenthaltsort ist.

Allerdings führt das Gericht in seinem Urteil ausdrücklich auch an, welche Fälle von seiner Entscheidung unberührt bleiben. So kann beispielsweise ein Spanienurlauber von seiner Versicherung Schadenersatz erwarten, wenn ihm sein im spanischen Domizil hinterlassenes Reisegepäck während einer Zwei-Tage-Tour nach Nordafrika gestohlen wird. Dann nämlich handelt es sich nicht um zwei verschiedene Fahrten, sondern um einen Ausflug im Rahmen einer üblichen Urlaubsreise.

Nicht immer indes entscheiden die Richter wie in diesem Fall zu Lasten des Versicherten. Einer Provence-Urlauberin, der Auto und Gepäck geklaut worden waren, gab das Landes gericht München recht in ihren Schadenersatzforderungen an die Versicherung.

Diese hatte für das gestohlene Gepäck nur eine Pauschale von 500 Mark bezahlen wollen, statt den gesamten Schaden von 2853 Mark zu ersetzen. Die Versicherung stützte sich dabei auf die sogenannte „Nachtzeitklausel“. Danach ist der Versicherungsschutz zwischen 22 und 6 Uhr auf die 500-Mark-Pauschale eingeschränkt.