Die weitere Aufstellung von Atomwaffen einzufrieren, wenigstens für ein Jahr, in dem ein neues Gesprächsklima entstehen könnte – diesem Vorschlag stimmten letzten Sonntag in Rom zwei prominente Spezialisten zu, ein Amerikaner und ein Sowjetrusse.

Freilich: Paul Warnke, der ehemalige Salt-Unterhändler, und Georgij Arbatow, Berater der Kreml-Führung, sprachen sich dafür so unverbindlich aus, wie es ihnen die quasi private Mitgliedschaft in Olof Palmes „Unabhängiger Kommission für Abrüstung und Sicherheit“ ermöglicht. Der erste Versuch, diese Vereinigung illustrer Köpfe aus Ost und West mit Willy Brandts Nord-Süd-Kommission gemeinsam tagen zu lassen, geriet in Rom nur zum Teilerfolg. Die 32 Teilnehmer brachten zwar einen einmütigen Appell zustande, der wieder einmal vor dem Wettrüsten und seinen Gefahren auch für die Dritte Welt warnt. Aber den einzigen präzisen Vorschlag, den eines Nachrüstungs-Moratoriums, machte sich in einer gesonderten Erklärung nur die Palme-Kommission mit ihren sowjetischen und amerikanischen Mitgliedern zu eigen, während Edward Heath, der zur Brandt-Kommission gehört, gegen eben diesen Punkt sogar öffentlich Widerspruch anmeldete.

Der konservative Brite widerlegte damit aber auch Unkenrufe aus der politischen Provinz Italiens, die das Ganze als Veranstaltung der Sozialistischen Internationale, unterwandert vom sowjetischen KGB, verdächtigte.

Der Papst allerdings, der die Politiker in seinem Thronsaal empfing, sparte nicht mit ermunternden Worten. Auf meine Frage meinte zwar Georgij Arbatow: „Eine Vermittlung des Papstes ist nicht nötig.“ Aber auch er versäumte es nicht, dem Pontifex die Hand zu schütteln, nachdem Willy Brandt im Namen aller versichert hatte: „Wir gehören nicht zu denen, die danach fragen, wie viele Divisionen der Papst hat.“

Hansjakob Stehle (Rom)