Nach elf Jahren reist mit Helmut Kohl wieder ein deutscher Bundeskanzler nach Israel – der Vertreter eines Landes, dessen Name und dessen Geschichte untrennbar verbunden bleiben mit dem Mord am jüdischen Volk.

Es ist für beide Staaten eine schwierige Reise. Denn ein Normalverhältnis zwischen Bonn und Jerusalem wird es nie geben. Verkrampftheit ist da fast unvermeidbar: für die Deutschen, die in israelischen Bezügen auf die Vergangenheit allzuleicht den Versuch erblicken, mit ihrem schlechten Gewissen politische Geschäfte zu machen; für die Israelis, die in deutschem Insistieren, es gäbe legitime Interessen der Bundesrepublik in der arabischen Welt, die Absicht vermuten, Bonn wolle sich von seiner geschichtlichen Verantwortung davonstehlen.

Gerade bei den umstrittenen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien wird diese Verkrampfung erneut deutlich. Ob Waffenexporte überhaupt ein geeignetes Mittel sind, deutschen Interessen zu dienen, ist gewiß fraglich. Nur: Israel steht es kaum zu, Bonn dafür zu rügen, daß im Nahen und Mittleren Osten Waffen zur gängigen Münze politischer Einflußnahme geworden sind. Denn das ist nicht zuletzt die Folge einer israelischen Politik, die militärische Macht an die Stelle der Diplomatie gesetzt hat. -cb-