Der Wendeeuphorie im Herbst 1982 mußten schnell Taten folgen. Greifbares ließ sich besonders publikumswirksam im Wohnungsbau bewerkstelligen. So griff der neue Bundesbauminister Oscar Schneider in die Bundeskasse und verdoppelte kurz entschlossen die Mittel für den sozialen Wohnungsbau. 1983 zahlte Bonn zwei Milliarden Mark für das soziale Bauen und in diesem Jahr noch mal den gleichen Betrag. Kurz nach der Wende galt diese rasche Maßnahme noch als wohnungs- und konjunkturpolitische Großtat, und zwar nicht nur bei den Regierungsparteien.

Jetzt, nicht mal anderthalb Jahre später, sagt der damals so spendable Bauminister, der Bau von Mietwohnungen könne nicht mehr öffentlich gefördert werden, das sei zu teuer. Recht hat er, doch diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie galt schon 1982, als die Bundesregierung sich so großzügig gab. Die damals bewilligten Milliarden hätte die Koalition volkswirtschaftlich sinnvoller für andere Investitionen ausgeben können.

Der Wohnungsbau kostet die Steuerzahler reichlich zwanzig Milliarden Mark im Jahr, Das ist zuviel für einen Sektor, in dem nur noch partieller Mangel herrscht. Nur mit Einsparungen im sozialen Mietwohnungsbau läßt sich die gigantische Fehllenkung knapper Steuergelder aber nicht beheben. Die Bundesregierung muß auch die viel teurere, ineffiziente und politisch delikate Eigentumsförderung reformieren. chr