West-Berlin

Es sind noch Westdeutsche draußen, Herr Vorsitzender“, hieß es am ersten Prozeßtag. Vor einer großen Strafkammer des Berliner Landgerichts stehen vier junge Männer, die wegen gemeinschaftlich versuchter Brandstiftung angeklagt sind. Auf Tierversuchslabors hatten sie es abgesehen, und als Gegner dieser „sinnlosen Quälerei“ haben sie offenbar Sympathisanten im ganzen Land. Im Gericht zumindest reichten die wenigen Sitzplätze bei weitem nicht aus, und einige der eigens aus dem Bundesgebiet angereisten Tierschützer blieben vor verschlossenen Türen.

Schon vor Prozeßbeginn hatten zahlreiche Verbände der Tierversuchsgegner – nicht nur aus Bielefeld, Braunschweig und Bremen, sondern auch aus Österreich, Luxemburg, Italien und der Schweiz – den Angeklagten ihre Sympathie bekundet. Für die Verhandlung war deshalb ursprünglich der große Sicherheitssaal des Moabiter Kriminalgerichts vorgesehen. Im entscheidenden Augenblick jedoch versagte die bürokratische Terminplanung. „Sicherheit“ schien den Staatsdienern eher beim Prozeß gegen Benny Härlin und Michael Klöckner vonnöten, die als Mitglieder des Vereins „Zeitungskooperative“ für den Abdruck sogenannter Bekennerbriefe „Revolutionärer Zellen“ in der Zeitschrift radikal verantwortlich gemacht werden. Der große Saal war also besetzt.

Im Gerichtssaal scheint Andreas Wolff der Held zu sein, keineswegs ein zerknirschter Angeklagter. Der 26jährige Altenpfleger gilt als Kopf der Berliner „Autonomen Tierschützer“, die schon in den vergangenen Jahren spektakuläre Aktionen gestartet hatten. Sie kletterten mit Transparenten – „Sofort alle Tierversuche abschaffen“ – auf die Gedächtniskirche, liefen als menschliche Fackeln in Astbestanzügen durch die Innenstadt, versprühten ihre Parolen „gegen Tier-KZs“ in der U-Bahn, inszenierten eine Blockade vor dem Schering-Konzern und demonstrierten unter dem Motto „Tierversuche gleich Folter für Profit“.

Vier „Molotow-Cocktails“

Der Erfolg blieb aus, und so plante Andreas Wolff, ein Fanal zu setzen. Ein „symbolisches Feuerchen“ wollte er im April 1982 im Zentralen Tierversuchslabor der Freien Universität, dem sogenannten Mäusebunker, entfachen. Obwohl er und seine Mittäter immerhin vier Molotow-Cocktails und einige Liter Benzin im Vorraum des Gebäudes anzündeten, befindet er heute selbstgewiß: „Das war kein Brandanschlag.“

Im Juli 1983 brannte ein zweites Berliner Tierlabor, und auch daran soll Andreas Wolff beteiligt gewesen sein. Insgesamt entstand ein Schaden von 45 000 Mark. Andreas Wolff saß dann gut vier Monate in Untersuchungshaft. Die Tierversuchsgegner sammelten in dieser Zeit 20 000 Mark für den bevorstehenden Prozeß.