Von Hans Ulrich Stoldt

Ein Tagesordnungspunkt auf der Sitzung des Ständigen Rates der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz am vergangenen Montag stand schon fest: Man wollte sich mit der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) befassen und speziell mit deren Bundesleitung. „Es geht um die ganze Grundhaltung“, hieß es im Sekretariat der Bischofskonferenz in Bonn.

Aktueller Anlaß war eine jüngst veröffentlichte Liedersammlung der KJG mit dem schlichten Titel „Song-Buch 2“. Einige der darin enthaltenen Texte seien „untragbar“, meinte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Höffner, und er forderte Konsequenzen.

Die Bundesleitung des etwa 140 000 Mitglieder zählenden katholischen Jugendverbandes in Düsseldorf ist überrascht, daß ihr schmales, rot eingebundenes Büchlein derart Aufsehen erregt. „Unser Liederbuch ist so angelegt, daß es für viele Zwecke wie Gruppenstunden, Aktionen, Gottesdienste, Feten, Feiern, Teestuben und so weiter benutzt werden kann“, versichern die Herausgeber in einem Vorwort. Unter den angebotenen 160 Melodien finden sich Kirchenlieder, Kinder- und Volksweisen, internationale Songs und aktuelle Friedenslieder.

Deutsche Volkslieder wie „Muß i denn, muß i denn ...“, „Herrn Pastor sin Kauh“ und „Mein Hut, der hat drei Ecken“ fehlen ebensowenig wie das alte Lied der deutschen Arbeiterbewegung „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“. Texte von Bettina Wegner, Bob Dylan und den Beatles stehen neben solchen von BAP, den bots und Georg Danzer.

„Ungetarnt und ganz offen“ werde in dem Liederbuch kommunistische Ideologie verbreitet, empört sich der ehemalige Sprecher der Bischofskonferenz, Oskar Neisinger, in einem veröffentlichten Brief an die Herausgeber des „Song-Buches“. Und Schlimmeres: Ein Lied von André Heller gar stelle eine klare Aufforderung zu „Homosexualität und Sodomie dar“. Der beanstandete Text: „Und wenn ein Mann einen Mann liebt, soll er ihn lieben, wenn er ihn liebt...; wenn eine Frau eine Frau liebt, soll sie sie lieben, wenn sie sie liebt...; und wenn ein Hirte sein Lamm liebt, soll er es lieben, wenn er es liebt...“

„Wer hieraus bestimmte Schlüsse zieht, der muß schon eine ziemlich schmutzige Phantasie haben“, meint KJG-Bundesleiter Ulrich Thomaßen. „Wir sind weder naiv noch kommunistisch. Viele Lieder greifen einfach nur die aktuellen Fragen und Probleme Jugendlicher auf, ohne daß wir letztlich die Zielvorstellungen der Texte in allen Punkten übernehmen wollen.“ Und außerdem: „Gerade Christen sollten eine große Offenheit für Bewegungen und Menschen haben, die sich für Freiheit und die Wahrnehmung ihrer menschlichen Rechte einsetzen.“ Keineswegs sei beabsichtigt gewesen, mit bestimmten Texten das Glaubensgefühl von Christen in Frage zu stellen.