Das Hochschulrahmengesetz von 1976, kurz HRG, regelte erstmals, wie die deutsche Hochschule nach Vorstellungen des Bundesgesetzgebers auszusehen hat und wurde zum Rahmen für die dann folgenden Landeshochschulgesetze. Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen über Organisation, Personal und Mitbestimmung. Ist es nun wieder soweit? Sieben Jahre danach – die Landesgesetze sind knapp verabschiedet und kaum Praxis in den Hochschulen geworden – scheint das Hochschulrahmengesetz wieder zur Disposition zu stehen.

Bald nach Amtsantritt hatte die Bundesbildungsministerin Dorothee Wilms (CDU) eine Experten-Kommission unter Leitung des Juristen Professor Werner Knopp (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) eingesetzt. Im Februar 1983 begannen die zwölf Experten, acht Professoren und vier Verwaltungsfachleute, nicht etwa ein praktisches Hilfsprogramm für die überlasteten Hochschulen zu entwerfen, sondern „Schwachstellen“ im vorliegenden Gesetz (HRG) zu orten, um entsprechende Änderungen vorzuschlagen. Kritiker meinten, diese Kommission repräsentiere nicht alle Gruppen in der Universität, sei hochschulpolitisch einseitig besetzt. Namhafte Hochschulreformer fehlten in ihren Reihen. In der vergangenen Woche nun hat die Kommission ihre Ergebnisse vorgelegt, einen 160 Seiten starken Bericht.

Danach soll zwar das HRG bleiben, aber in veränderter Form. Gestrichen wird die Zielprojektion „Gesamthochschule“, ob in integrierter oder kooperativer Form; also jene Einrichtung, in der Fachhochschulen, Akademien und wissenschaftliche Hochschulen verschmelzen und Studierende ohne große Umwege in einem Baukastensystem von wissenschaftlich-praktischen Abschlüssen auch zu höheren akademischen Weihen vorstoßen können. Statt dessen schlägt die Kommission eine klare Trennung zwischen Fachhochschulen und Universitäten vor, was sich in „verschiedenartigen Profilen“ der Studiengänge und Zertifikate ausdrückt. Absolventen der wissenschaftlichen Hochschulen dürfen sich mit dem Zusatz sc (scientie) schmücken, die der Fachhochschulen nicht.

Ganz im Sinne der in Bonn propagierten, aber noch nicht praktizierten Hochbegabtenförderung sind für Studenten sogenannte „Steilkurse“ vorgesehen. Für Überflieger gibt es also einen flotten Durchmarsch durchs Studium, eine „Direttissima“, wie Professor Knopp es ausdrückt. Besondere Aufbaustudien sind für den wissenschaftlichen Nachwuchs geplant. Die Menge der Studenten wird an Regelstudienzeiten gebunden, soll Zwischenprüfungen machen. Zugleich aber plädiert man dafür, die Studienreformkommissionen zu streichen. Studienreform fällt künftig in den Bereich der Hochschulen, die Studienordnungen ohne Zustimmung des Landes erlassen können. Ein „forschungsfreundlicheres Klima“ könne wieder in die Hochschulen einziehen, wenn sich bei der Anwerbung von Drittmitteln, sei es aus der Industrie oder aus Einrichtungen der Forschungsförderung, die administrativen Kontrollen künftig „auf das unbedingt Notwendige beschränken“. Das HRG sieht hier eine Genehmigungs- und Rechenschaftspflicht innerhalb der Hochschule vor. Kontrolle ist gut, Vertrauen besser, meint dagegen die Kommission.

Wichtigste Korrekturen in der Personalstruktur: Die unterschiedliche Besoldung von Professoren von C 2 bis C 4 hat sich als „unsachgemäß erwiesen“, wie es in dem Papier heißt, der C2-Professor (Assistent-Professor) soll ganz abgeschafft und die Habilitation wieder zur Regel bei der Einstellung werden. Der „wissenschaftliche Hochschulassistent“ hat sich aus der Sicht der Knopp-Kommission nicht bewährt. Sie empfiehlt einen „Assistenten neuer Art im Beamtenverhältnis auf Zeit“ (A 13, angestellt auf zweimal drei Jahre). Beim „Assistenten neuer Art“ sollen „Dienstleistungs- und Qualifikationselemente in sinnvoller Weise verbunden werden“. Der wissenschaftliche Hochschulassistent hat bislang vorrangig die Aufgabe, in Forschung und Lehre „die für seine Habilitation erforderlichen und gleichwertigen Leistungen zu erbringen“. Und er ist dem Fachbereich, nicht dem einzelnen Professor zugeordnet, um Abhängigkeiten zu vermeiden. „Man sollte“, wie es Professor Knopp dagegen vor der Presse in Bonn ausdrückte, „wieder den Mut haben, zur Anbindung an den Professor zurückkehren.“

Änderungen auch in der Organisation der Hochschulspitze: Bevorzugt wird wieder der Rektor für zwei Jahre aus der Mitte der Professorenschaft einer Hochschule. Ein „kollegiales Rektor rat“ fordert die Kommission. Der Präsident (acht Jahre im Amt) soll jedoch als „gleichberechtigte Alternative“ zugelassen bleiben.

Im Prinzip bejaht die Kommission die „Gruppeuniversität“, möchte aber doch die Präsenz der Professorenschaft in den Gremien – obwohl bereits im Besitz der Mehrheit – noch zusätzlich gestärkt sehen. So sollen im Senat neben den dort ohnehin vertretenen Professoren noch die Dekane der Fachbereiche stimmberechtigt hinzukommen.