ZDF, Dienstag, 14. Februar, 19.30: Joseph Süss Oppenheimer“, von Gerd Angermann, Regie: Rainer Wolffhardt

Jud Süss“, Lion Feuchtwangers erster historischer Roman, 1925 erschienen, wurde zugleich sein größter Erfolg. Er erzählt vom Schicksal des Joseph Süss Oppenheimer, der im 18. Jahrhundert am Hof des Herzogs Carl Alexander von Württemberg Karriere machte und nach dem plötzlichen Tod seines Gönners im Februar des Jahres 1738 gehenkt wurde. Laut Exekutionsprotokoll: „am oberen Galgen, bei hellem Sonnenschein“.

Über seine Recherchen zu Jud Süss“ schrieb Feuchtwanger: „Es ergab sich ein Schicksal wie das Unzähliger, kaum dazu angetan, die Seele eines Menschen von 1920 länger zu beschäftigen. Bis ich auf eine nebensächliche und nebensätzliche Anmerkung des Biographen stieß, Joseph Süss ... habe sich geweigert, zum Christentum überzutreten, trotzdem er dadurch wahrscheinlich sein Leben hätte retten können ... Nicht daß er seinem Bekenntnis treu blieb ... zog mich an und erhellte mir sein Schicksal. Sondern es war dies, daß ich sah, wie er sich fallen ließ. Ich begriff sein Glück und seinen Sturz in einem. Ich sah ihn gleichnishaft den Weg beschreiten, den unser aller Entwicklung geht, den Weg von Europa nach Asien, von Nietzsche zu Buddha, vom alten zum neuen Bund.“ Hinter der Tragödie verbarg sich das soziale Lehrstück vom Außenseiter, der sich richtig nur für seine Fremdheit entscheiden kann. Nach dem falschen Versuch, sich der deutschen Gesellschaft anzupassen, blieb Oppenheimer nur die alte Schillersche Situation: Er wählte schließlich den Tod, um seine Würde zu wahren.

Inzwischen ist das Schicksal Oppenheimers international und in den verschiedenartigsten Medien regelrecht vermarktet worden. 1940 war der Stoff von Veit Harlan für zwei Millionen Reichsmark als antisemitisches Melodram, sechs Jahre zuvor Lothar Mendes als philosemitisches Kunstwerk verfilmt worden. Es gab Bühnenbearbeitungen, Hörspiele und Fernsehfassungen. Peter Lilienthal und Friedhelm Ebel haben nach den alten Prozeßakten Drehbücher entworfen. Realisiert ist bisher nur Gerd Angermanns Dokumentarspiel Joseph Süss Oppenheimer“, dessen Ausstrahlung wegen des Kanzler-Besuchs in Israel auf den 14. Februar verschoben wurde.

Auch Drehbuch-Autor Angermann hat die alten Prozeßakten studiert, die das Hauptstaatsarchiv Stuttgart vollständig aufbewahrt. Sein Fernsehspiel, das Rainer Wolffhardt mit Jörg Plewa in der Titelrolle und Manfred Krug als Herzog inszenierte, versteht sich als Versuch, Jud Süss Oppenheimer zu rehabilitieren: Korrektur einer bösen Legende. Angeklagt: die Justiz des Landes Württemberg in jenen Tagen.

Angermann: „Einen weitgehenden Einfluß auf die politischen Entscheidungen in Württemberg, den man ihm zuschrieb, hat Oppenheimer in Wirklichkeit nie besessen. Er war immer nur ein Werkzeug in der Hand des Herzogs.“ Auch daß der Star-Jurist des Landes Württemberg gegen das Todesurteil protestiert habe, sei genauso eine Legende wie Geschichten von mißglückten Fluchtversuchen Oppenheimers nach der Verhaftung.

In einer Theaterkritik zu einer Inszenierung von Feuchtwangen Dramenversion des Jud Süss“ hieß es 1917 in einer Münchner Zeitung: „Im Leben wie in dem neuen Schauspiel erscheint uns dieser Süss Oppenheimer als ein rücksichtsloser Emporkömmling.“ Jetzt sehen wir ihn als Opfer. Helmut Schödel