Batterie-Transporter können mit herkömmlichen Fahrzeugen nicht konkurrieren

Was der ehemalige Postminister Kurt Gscheidle als Experiment begonnen hat, wird der amtierende Ressortchef Christian Schwarz-Schilling vermutlich bald als gescheiterten Versuch abschreiben müssen: den Einsatz von Elektroautos bei der Paketzustellung der Bundespost in Bonn. Seit 1981 werden die Pakete der Hauptstädter überwiegend per Batterie-Transporter zugestellt. Der Effekt des Modells ist freilich strittig: Die Kosten sind hoch, der Vorteil hingegen nur sehr gering.

Für den Paketzustellbereich der Hauptstadt hat der Postminister 34 Elektrotransporter der Firmen VW und Daimler-Benz angeschafft. Das hat rund 3,5 Millionen Mark gekostet, jedes Batteriefahrzeug also etwa hunderttausend Mark. Transportexperten der Post waren intern gegen den teuren Versuch. Abgeordnete des Deutschen Bundestages hatten den Postminister jedoch hart bedrängt, die Post müsse sich daran beteiligen, umweltschonendes Neuland zu erforschen. Batteriebetriebene Paketbusse schienen ein richtiger Schritt, die heillos durcheinandergeratene Ökologie vor dem endgültigen Kollaps zu retten.

Ob das Elektroauto ökologisch wirklich sinnvoll ist, gilt noch immer als fraglich. Zwar produzieren diese Fahrzeuge keine Abgase. Dort aber, wo der Strom, den sie benötigen, erzeugt wird, am Kraftwerk, wird auch die Umwelt belastet.

Die Frage, ob das Elektroauto ökonomisch sinnvoll ist, läßt sich dagegen zweifelsfrei beantworten: Nach derzeitigem Stand der Technik ist der Batteriebetrieb ein ökonomischer Flop. Die Zwischenergebnisse, die über den Betrieb der batteriebetriebenen Paketbusse aus dem Bereich des Postamtes Bonn vorliegen, beweisen das eindeutig. Allein der Energieverbrauch des Elektrobullis ist doppelt so teuer wie der Sprit der bei der Post üblichen Dieselfahrzeuge. Der Elektrokilometer kostet rund 37 Pfennig, der Dieselkilometer nur etwa 19 Pfennig.

Das aber ist längst nicht alles. Noch immer halten die Batterien nicht das, was ihre Hersteller versprechen. Die Lebensdauer reicht jedenfalls bei weitem nicht an den vergleichsweise billigen Tank heran. Spätestens nach vier Jahren ist die Batterie am Ende, oft sogar schon sehr viel früher. Nach einer Faustregel sind die Pakettransporter der Post maximal zwölf Jahre im Einsatz, ehe sie ausgemustert werden. Die ersten zwei bis vier Jahre fahren sie über Land und machen Kilometer, den Rest ihrer Zeit verbringen sie im Stadtverkehr mit nicht mehr als 6000 bis 8000 Kilometer im Jahr. Insgesamt schafft das herkömmliche Dieselfahrzeug 120 000 und mehr Kilometer.

Selbst im günstigsten Fall, wenn die Batterie vier Jahre hält, müßte das Elektrofahrzeug während seiner Betriebsdauer mindestens zwei neue Batterien bekommen. Das aber verteuert den Elektroantrieb beachtlich, denn die Ersatzbatterien kosten 18 000 Mark. Bei einer angenommenen vierjährigen Batterie-Nutzungsdauer verteuert sich der Elektrokilometer mithin um 68 Pfennig.