Von Axel Arens

Samstagabend, 4. Februar. Draußen ist es kalt, drinnen ist Fernsehen. Der ZDF-Kanal ist voll. 19.30 Uhr „Lächeln für die Krone“. Dann „Der letzte Zug nach Gun Hill“. Dann Sportstudio. Ab 23.15 Uhr „Rock-Pop“. Eine dieser endlosen Rocknächte, Live aus Dortmund, Westfalenhalle. Angesagt ist: „Heavy metal“. Das ist die Richtung der Stahlhärtesten unter den Rockmusikern. „Iron Maiden“, Burschen aus England. Gegen diese eisernen Jungfrauen klingt „Supertramp“ wie Fahrstuhlmusik. Die „Scorpions“ spielen. Nun ja „spielen“. Einer Gitarre schrille Töne zu entreißen oder sie in Stücke zu hauen – dazwischen ist nur ein schmaler Grat.

Was da aus dem Kanal kommt, ist ganz normaler „Heavy metal“-Sound. In der Sprache der „Heavy metal“-Fans ein „tierisch guter Sound“. Ganz normal.

Normal für den, der’s mag. Grauenhafter, widerlicher Lärm für den, der’s nicht mag. Auch normal. In der Jugendzeitschrift Popcorn liest sich das so: „... 2000 Scheinwerfer ... sechs Kameras ... 166 ZDF-Techniker, 142 Musiker, Roadies und Manager, nur ein kleiner Auszug aus einer Bilanz der exzessivsten Metallorgie, die je für eine Fernsehanstalt aufgezeichnet wurde... 20 000 meist lederbejackte Fans kamen, um in einem 14stündigen „Heavy metal“-Dauersperrfeuer von acht hochkarätigen Bands niedergewalzt zu werden.“

Ja, das war auch so der Eindruck, den ich da hatte mit meinem Bierchen im Sesselchen vorm Fernseherchen. Aber ich war nicht „niedergewalzt“. So schnell schmeißt es einen alten Rock-Freak nicht aus dem Sesselchen.

Aber irgendwann in der Nacht, so um 2 Uhr herum, da war ich dann doch platt. Da kam er. In schwarzem Leder, im kurzarmigen, blitzenden Panzerhemd, das strohblonde Haar militärisch kurz. Von der Hüfte hängen ihm kiloweise Ketten und Handschellen. Die Arme stecken von den Ellenbogen bis zu den Mittelhandknochen in Stachelarmbändern. Die kniehohen Stiefel sind mit Hunderten von Metalldornen gespickt.

Er kommt aus buntem Nebel vom Olymp der schwarzen Verstärkertürme herabgeschritten, ballt die Faust, hebt den rechten Arm zum Gruß, brüllt die Fans zu seinen Füßen mit schriller Kommißstimme an: „HELLOO“. Und die Fans antworten „YEEE-O, YEEE-O“ und schleudern dem Mann in Nieten und Leder in tausendfacher Begeisterung ihre Fäuste entgegen.