Peter Boenisch verkauft die Regierung des Kanzlers Helmut Kohl auf gefällige Art

Von Gerhard Spörl

Bonn, im März

Im unwirtlichen Vorzimmer zu Peter Boenischs Herrschaftsbereich hängt eine Karikatur, die seinem Selbstwertgefühl gerecht wird. Darauf überlebensgroß Peter Boenisch mit prallen Backen und üppigem Haar, gezeichnet als Zeitungsjunge, der das Blatt "Die Regierung" anpreist. Zu ihm blickt ein zum Pygmäen geschrumpfter Franz Josef Strauß verkniffenen Auges auf. Kommentar am Rande: "Und was verkauft er? Immer nur die Regierung!"

Die Karikatur, dediziert zum Amtsantritt des neuen Regierungssprechers, wirkt gar nicht satirisch. Peter Boenisch entspricht seinen Klischees. Als Kanzler Kohl ihn im vorigen Mai als Pressesprecher anstellte, warnten besorgte Gemüter, Boenisch tauge allenfalls zum Verkäufer des Kanzlers. So ist es. Nur hatte niemand daran gedacht, daß die Partner gerade damit zufrieden sein würden.

Der Verkäufer des Kanzlers: Die einen, voran das Bonner Pressekorps, haben Peter Boenisch gewogen und zu leicht befunden. Dem Mann mit der amtlichen Zunge ergeht es nicht besser als seinem Kanzler. Die Regierung Schmidt hat Maßstäbe hinterlassen, an denen ihre Nachfolger gemessen werden. Wenn Klaus Bölling aus dem Kanzleramt berichtete, erweckte er gern den Eindruck, als habe er soeben tiefbewegt eine Kathedrale verlassen. Auch irdische Frager konnten sich jederzeit darauf verlassen, daß Bölling sich nicht nur peinlich genau zu einzelnen Sachproblemen kundig gemacht hatte, sondern darüber hinaus eingeweiht war, was der Kanzler über die Weltläufte dachte – der Regierungssprecher als Stimme seines Herrn. So jedenfalls die überschwengliche Erinnerung.

Peter Boenisch drängt es nicht zur Nachahmung. Respektvoll, aber belustigt setzt er sich vom sozial-liberalen Vorgänger ab: "Ich will doch kein Mysterienspiel veranstalten. Daß er Bölling beerben durfte, hat eine eigene Pointe. Es war Boenisch gewesen, der dem damaligen Kanzler-Vertrauten den Tip gab, er solle doch ein Tagebuch über die Endzeit der Ära Schmidt führen. Aber jetzt schwebt ihm eher eine Rolle à la Conny Ahlers vor, der nicht nur keine flapsige Bemerkung ("Alle Indiskretionen, an denen ich beteiligt war, waren nützlich") gescheut hatte, sondern damit gelegentlich selber Politik machen wollte.