Als Dichter hat man seine Vorbehalte im Verhältnis zur Kommunikation. Man redet so mit, aber die eigentliche Mitteilungsweise geht übers Gedicht. Das Gehirn empfängt laufend Eindrücke, die Hand macht daraus, ein Gebilde aus Wörtern – wie das genau funktioniert, ich weiß auch nicht. Klaus Hensel benennt einen plausiblen Gegenstand: einen Draht, der nämlich der Weg der Information zwischen Antenne und Empfänger ist. Womit auch für das Gedicht eine Definition abfällt: es ist kein Informationsprodukt, sondern ein Informationsvorgang; es ist zunächst gar nicht da, sondern es entsteht auf dem Weg der Mitteilung.

Dieses Gedicht freilich teilt vorerst einmal Störungen, Hemmungen mit. Es gesteht, daß nicht zustande kommt, was es sein möchte: ein Liebesgedicht vielleicht, vielleicht auch nur eine Ansichtskarte. Poetische Ansätze immerhin: das Meer wird in seinem elementaren Gegensatz, als Feuer, angerufen; die Frau wird zum Engel erhoben; ein Seufzer entringt sich – aber das klingt schon, ironischerweise, wie Hilferufen nach dem Zitat; nein, näher steht, was ein vertrautes Gehäuse ist und seinen unverwechselbaren Namen hat, das Automobil.

Wie entscheidend, fürs Weiterleben und Sterben, das Belanglose ist. Auch das Meer, das Mittelmeer mit seiner Sechsten Flotte, liefert nur Belangloses an, Strandgut, was wenigstens für ein paar Wörter reicht. Aber die Stockungen setzen sich fort, die Unterbrechungen eines Kommunikationsversuches, der noch in seiner Vergeblichkeit sehr beredt bleibt, mit seiner zögernden Offenbarung, was man alles nicht im Kopfe hat; was uns, in unseren Beziehungen und raschen Talks am Telephon, an wirklichen Mitteilungen und richtigen Wörtern so fehlt. Jürgen Becker